Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)
STRIMITZER, Birgit: Der k. k. Staatsrat Friedrich Freiherr Binder von Krieglstein, Freund und Sekretarius des Staatskanzlers Kaunitz. Ein Beitrag zur Klientelpolitik der maria-theresianischen Epoche
Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44/1996 - Rezensionen von Siegfried Beer um einen dienstlichen Auftrag von Beamten des Oberösterreichischen Landesarchivs aus dem Jahr 1955, mittels amtlicher Unterlagen „für eine entscheidende Phase unserer jüngsten Geschichte“ aus 1945 eine prägnante und zusammenfassende Darstellung der Geschehnisse zu liefern. Alois Zauner beschäftigte sich mit dem Ende des Krieges, Konrad Rauch mit der Militärregierung, Hans Sturmberger mit Land und Landesverwaltung, während sich Alfred Hoffmann mit Ernährung, Verkehr und Wirtschaft, Othmar Hageneder, u. a. mit Flüchtlingsproblemen, Umsiedlung und Sicherheit und Georg Grüll mit der Stadt Linz befaßten. Fritz Schober nahm „Allgemeines“ wie Presse, Rundfunk und Kultur unter die Lupe. Angemerkt wird im Vorwort, daß es zur Zeit der Auftragsarbeit keine wissenschaftliche Disziplin Zeitgeschichte gegeben hat und bei der Auftragsarbeit eine „konfliktfreie Rückbesinnung“ gefordert war. Die amtsinternen Beiträge kehrten daher „vermutlich zu den Akten“ zurück, während ein Durchschlag in gebundener Form in die Archivbibliothek kam, wobei dieser sinnigerweise „bis vor wenigen Jahren für die allgemeine Benützung gesperrt wurde (ausgenommen für wissenschaftliche Zwecke)“. Da die Berichte ursprünglich nicht veröffentlicht werden sollten, seien sie „zweifellos eher der Gattung ,Geschichtsquellen' als der ,Literatur' zuzuordnen“, heißt es im Vorwort. Ferner seien die Autoren als Betroffene im historischen Prozeß der unmittelbaren Nachkriegszeit voll eingebunden gewesen. Die Beiträge wurden daher als „Quellen“ behandelt und inhaltliche oder stilistische Aktualisierungen unterlassen. Redigierungen erfolgten im Bereich der Anmerkungen, die jedoch nur untereinander abgestimmt wurden. Als „Wink eines günstigen Schicksals“ und „ohne jeden genetischen Zusammenhang mit dem Hauptteil“ des Werks kam der Beitrag von Beer „Vertrauliche Berichte des amerikanischen Geheimdienstes OSS aus dem Jahre 1945“ hinzu. Diese Arbeit, die auf Primärquellenmaterial aus den National Archives in Washington für den Bereich Oberösterreich basiert, zeigt in vorbildlicher Weise wie zeitgeschichtliche Quellen editiert werden sollten und was bei den anderen Berichten fehlt, nämlich Ergänzungen zum Text, wie weiterführende Angaben zu Personen, Ereignissen, etc., Berichtigungen aufgrund neuerer Forschungsergebnisse sowie die Literatur zum aktuellen Forschungsstand. So stellt dieser Dokumentarbericht insgesamt einen chronologisch erzählenden, eher unkritisch präsentierten, überwiegend unkommentierten Steinbruch dar, der erste Rohdaten und Informationen auf dem Stand des Jahres 1955 liefert, wobei man sich aufgrund der teilweise dürftigen Anmerkungen nicht immer leicht tun wird, die Originale zu eruieren. In einem Beitrag des „Vertragsbediensteten Dr. Hageneder“ fehlen zum Thema Entnazifizierung alle Belegstellen in den Fußnoten, die als „verloren“ gelten! Neun für Oberösterreich mehr oder weniger aussagekräftigen Abbildungen (Fotos und Faksimiles) illustrieren den eigenartigen Dokumentarbericht. Abkürzungsverzeichnis, Personen- und Ortsnamenregister runden ihn ab. Zeitgeschichtlich interessierte Laien in Oberösterreich werden mit dem Buch Freude 394