Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

AGSTNER, Rudolf: Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in Sankt Petersburg 1886–1914

Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in St. Petersburg Dr. Viktor Kienböck, Bundesminister für Finanzen, berichtet dem Minister­rat78 79 „daß sich als einzige brauchbare Lösung die Übernahme eines von den Russen angebotenen Gebäudes in der Mertwy Pereoluk ergeben habe, das jedoch insofern nicht für die Bedürfnisse der Gesandtschaft ausreicht, als es keinen Raum für Beamtenvvohnungen biete: für solche müsse aber nach Meinung des Außenamtes unbedingt Vorsorge getroffen werden, da die mietweise Unterbrin­gung der Beamten unter den Wohnungsverhältnissen in Moskau auf unüber­windliche Schwierigkeiten stoße ... ein Stockwerksausbau auf das Gebäude er­forderlich, der einen Aufwand von etwa 150.000 Rubel verursachen würde. Die russische Regierung habe sich bereit gezeigt, einen Barbetrag von 15-17.000 Rubel zu leisten, eine weitere Verbilligung sei aus der Gewährung der Zollfrei­heit für die Einfuhr gewisser Hauserfordernisse aus Österreich zu erwarten ...“. Der Ministerrat sprach sich nach einer kurzen Debatte für die Erwerbung des Gebäudes aus und ermächtigte den Bundesminister für Finanzen, den Aufwand für den Stockwerksaufbau zu bewilligen. Der 496. Ministerrat beschäftigte sich am 3. Juni 1927 mit „der Erwerbung eines Palais zur dauernden Unterbringung der österreichischen Gesandtschaft in Moskau, der Verzichtlcistung auf den Eigentumsanteil Österreichs am Palais der vormaligen österreichisch-ungarischen Botschaft in Leningrad und der Übergabe der russischen Botschaftskirche in Wien an die Regierung der UdSSR“. Bundes­kanzler Dr. Ignaz Seipel berichtete über das neue Missionsgebäude: „Dieses ist ein eingeschossiger, höchst repräsentablcr, außergewöhnlich solider Massivbau in Stein und Ziegel, der für die Zwecke einer Vertretungsbehörde ganz hervor­ragend geeignet ist. Jüngsten Datums - das Haus ist kaum 15 Jahre alt - ver­spricht das Gebäude, durch Jahre keine irgendwie erwähnenswerten Erhaltungs­kosten zu erfordern.“ Er schlug vor, „der Ministerrat wolle ... dem zwischen der österreichischen Bundesregierung und der Regierung der UdSSR abzuschließenden Überein­kommen betreffend die Regelung der Frage der beiderseitigen Botschaftspalais“ zustimmen und „für die durchzuführenden baulichen Investitionen im Hause Mcrtvi per 1/6 einen Kredit von maximal 51.546 Dollar (= öS 360.822,-)™ bewilligen.“80 81 Das 1927 durch Tausch erworbene Gebäude der österreichischen Gesandt­schaft8' war um 1912 nach dem Plan des Moskauer Architekten und Baumei­78 Beilage A zu Punkt 1 des Ministerratsprotokolls Nr. 489 vom 29. April 1927, ad GZ 114.718/14-Li aus 1927: Notiz zur Frage des Ersatzes für das ehemalige österreichisch-ungarische Botschaftsge­bäude in Petersburg (3 Seiten). 79 1 Schilling vom Juni 1927 entsprach im September 1994 der Kaufkraft von öS 32,62; der Kredit belief sich somit auf öS 22,139.911,- (Österreichisches Statistisches Zentralamt). 80 Protokolle des Ministerrates der Ersten Republik, hrsg. von Rudolf Neck und Adam Wandruszka. Abt. V. Bd. 1. Wien 1983, S. 468 bzw. 479-491 (Beilage B: Vortrag an den Ministerrat). 81 Heutige Adresse: Starokonjuschennij Pereolog 1. 21

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