Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

AGSTNER, Rudolf: Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in Sankt Petersburg 1886–1914

Rudolf Agstner sters N. G. Lasarew in einer Variante des Neoklassizismus, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Moskau herausbildete, errichtet worden. Ursprünglich war es zur Gänze eingeschossig. Hauptteil und kompositorisches Zentrum des Gebäudes bildet eine überkuppelte, von paarweisen Säulen umstande­ne Rotunde82. Das Palais Polowzow in St. Petersburg, Querschnitt (Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien; Foto: Österreichisches Staatsarchiv) Der Legende nach soll der Tanzsaal unter der Rotunde als Vorbild für jene be­rühmte Szene aus Dr. Schiwago gedient haben, in der Lara ihren Liebhaber niederschoß. Nach dem Anschluß 1938 war das ehemalige österreichische Ge­sandtschaftsgebäude Residenz des zugeteilten Gesandten der deutschen Bot­schaft. Am 23. August 1939 stieg Außenminister Joachim von Ribbentrop, der zur Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Vertrages nach Moskau gekom­men war, hier ab. Während des Zweiten Weltkrieges diente das Gebäude militä­rischen Zwecken83. Nach 1945 erhielt die Republik Österreich das Gebäude zurück. Es ist auch heute noch Sitz der österreichischen Botschaft und Residenz des österreichischen Botschafters in der Russischen Föderation. 82 Ergebnis der für das Buch „Die Baudenkmäler Moskaus“ durchgeführten Forschungen, das von der Werkstätte Nr. 13 der „Mosprojekt-2“ Direktion vorbereitet wird (Autor und leitender Architekt: M. I. Domschlak). 83 W o d a k, Walter: Im Auswärtigen Dienst. In: Festschrift für Karl Waldbrunner. Wien 1971, S. 41- 53, hier S. 45. 22

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