Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)
AGSTNER, Rudolf: Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in Sankt Petersburg 1886–1914
Mit Verbalnote vom 8. Dezember 1916 erhielt der Ballhausplatz die Übersetzung der Petrograder Zeitung „Novoe Vremya“ vom 26. September 1916, betreffend eine Debatte im Stadtrat über die Verwendung von Botschaftsgebäuden als Lazarette. ... as to the building of the Austro-Hungarian Embassy, no agreement with the Austro-Hungarian Government was made. Nevertheless the Ministry would consider it undesireable to requisition these premises for hospital purposes ... although there exists no defined international rulings, guaranteeing the inviolability of the Embassy buildings, in the enemy country during war time, yet such in- viotability has always been observed and may be considered an established custom ... In der Folge sollte die Angelegenheit noch einmal aktuell werden, als im Wiener Außenamt am 31. Jänner 1917 eine neuerliche Verbalnote der US- Botschaft67 68 einlangte, in der eine Anfrage der US-Botschaft Petrograd vom 29. Jänner wiedergegeben wurde: ... in view of unprecedented scarcity suitable quarters and believing that Austrian Government may now be willing to reconsider decision, Russian Ministry of Public Health renews request concerning rental formerly proposed and will evacuate quarters when required. Der US-Botschaft wurde mit Note vom 6. Februar 1917 neuerlich eine Ablehnung notifiziert. Nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und den USA am 8. April 1917 übernahm die königlich dänische Gesandtschaft den Schutz des k. u. k. Missionspalais Am 15. August 1917 übermittelte die dänische Gesandtschaft Petrograd dem in Wien weilenden k. u. k. Botschafter in Rußland, Graf Szápáry, ein Verzeichnis der in der Botschaft wohnenden russischen Untertanen und ersuchte diesen um Mitteilung, „ob sämtliche Personen die Erlaubnis ... zu unentgeltlichem Aufenthalt bekommen haben. Die Gesandtschaft ist verwundert über die große Anzahl der Gratiswohnenden und unterlässt nicht hinzuzufügen, daß sie deswegen auch keine wirksame Kontrolle über den Verbrauch des im Hofe der Botschaft abgelagerten Holzes, und ebenso wenig der Elektrizität, üben kann“69. Diese Liste umfaßte im Ganzen 40 russische Untertanen, zu denen noch Mitglieder der dänischen Gesandtschaft kamen. Die Überprüfung der Liste ergab, daß einige „eine ausdrückliche Erlaubnis zum Bewohnen der Botschaft nicht erhalten“ hatten und im übrigen keine Bedenken dagegen bestanden, daß die Bewohner „auch ferner im Botschaftsgebäude verbleiben, wobei natürlich vorausgesetzt wird, daß sie in den Dienerschaftsräumen Unterkommen {sic!} finden und nicht die Herrschaftswohnungen innehaben“, was der dänischen Gesandtschaft Petrograd mitgeteilt wurde70. Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in St. Petersburg 67 HHStA Wien, AR, Fach 6/91, Palais St. Petersburg-7/3, ZI. 10.249/2 aus 1917, Verbalnote der US- Botschaft in Wien, Nr. 11472, vom 31. Jänner 1917. 68 HHStA Wien, AR, Fach 6/91, Palais St. Petersburg-6, ZI. 68.398/3 aus 1917. 69 Ebenda, Palais St. Petersburg-7/4, ad ZI. 91.956/2 aus 1917, Note der Dänischen Gesandtschaft Petrograd vom 2./15. August 1917. 70 Ebenda, Palais St. Petersburg-7/4, ZI. 91.956/2 aus 1917, Note an die Dänische Gesandtschaft Petrograd vom 11. September 1917. 17