Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

AGSTNER, Rudolf: Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in Sankt Petersburg 1886–1914

Rudolf Agstner Rücksichtnahme auf die hier so kurze Bausaison“ ordnete Botschafter Thum die erforderlichen Maßnahmen an und kam dann um nachträgliche Genehmigung ein52. Diese wurden genehmigt. Schließlich konnte Thurn im Februar 1912 die Fertigstellung der Arbeiten und einen Kostenaufwand von 13.841 Rubel 18 Kopeken einberichten, was gegenüber dem bewilligten Betrag von 14.000 Rubel noch eine Einsparung bedeutete53. Im Botschaftspalais befanden sich einige den diplomatischen Beamten zuge­wiesene Wohnungen. 1912 war es erforderlich, die Aufteilung der Wohnungen an die verschiedenen Beamten einer Revision zu unterziehen. Thurn schlug vor, „daß nicht nur eine sehr gute Wohnung für einen verheirateten Botschaftsrat entsteht, sondern auch die übrigen diplomatischen Beamten gut und praktisch eingeteilte, ihrem respektiven Range entsprechende Garcon-Wohnungen erhal­ten werden. Diese Einteilung, welche dann als ein Definitivum angesehen wer­den könnte, würde auch dem bisherigen Übelstande Vorbeugen, daß bei jeder neuen Zuteilung Verschiebungen in der Wohnungseinteilung notwendig werden, die in der Vergangenheit nicht unerhebliche Unkosten verursacht haben.“ Der Hausarchitekt Hauptvogel errechnete hiefür Kosten von 8.000 Rubel, welche vom Ministerium als äußerste Obergrenze genehmigt wurden54 *. Am 18. Juli 1913 wies Thurn nochmals auf die Dringlichkeit der Reparaturar­beiten hin und erläuterte: ... Betonierungsarbeiten in einigen Parterreräumen des Botschaftspalais ... unumgänglich notwen­dig, da die in denselben befindlichen Holzfußböden, welche direkt auf der Erde aufliegen, vollstän­dig verfault und in einem so schlechten Zustande sind, daß diese Wohnungen bereits seit geraumer Zeit unbenutzt bleiben müssen. Auch aus sanitärem Standpunkt ... äußerst notwendig, da die ver­faulten Fußböden den Zufluchtsort der Ratten bilden, die sich dort in neuester Zeit stark vermehren ... die fiir die Instandsetzung der Wohnung des Legationssekretärs Grafen Strasoldo vorgeschlage­nen Reparaturen ... aus baulichen Sicherheitsgründen unumgänglich notwendig erscheinen. In die­ser Wohnung hat sich nämlich bereits ein großer Teil der Deckenstukkatur losgelöst, der übrige Teil derselben droht auch abzustürzen, so daß das Wohnen in diesen Räumen mit Gefahr verbunden ist ... Reparatur der Hauptfassade des Botschaftspalais unumgänglich notwendig, da dieselbe sich be­reits in einem geradezu dekorumwidrigen Zustande befindet... 53 Thurns Erläuterungen verfehlten ihre Wirkung nicht und die beantragten Re­novierungen wurden genehmigt56. HHStA Wien, AR Fach 6/91, Palais St. Petersburg-4/88, ZI. 81.070/2 aus 1911, Bericht Nr. CII (Thum) aus St. Petersburg vom 5. Dezember 1911. Ebenda, Palais St. Petcrsburg-4/90, ZI. 7814/2 aus 1912, Bericht (Thum) Nr. 1X-B aus St. Petersburg vom 1. Februar 1912. Ebenda, Palais St. Petersburg-4/94, ZI. 28.395/2 aus 1912, Thum an Schlechta aus Streiteben vom 25. April 1912; ebenda, Palais St. Petersburg-4/95, ZI. 28.396/2 aus 1912, Antwortschrei­ben Schlechta an Thum vom 22. Mai 1912. Ebenda, Palais St. Petersburg-4/101, ZI. 51.707/2 aus 1913, Bericht (Thurn) Nr. LI-G aus St. Petersburg vom 18. Juli 1913. Ebenda, Palais St. Petersburg-4/101, ZI. 51.707/2 aus 1913, Außenministerium an Thum vom 28. Juli 1913. 14

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