Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

AGSTNER, Rudolf: Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in Sankt Petersburg 1886–1914

Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in St. Petersburg Damit sollten die Adaptierungen und Möblierungen noch nicht abgeschlossen sein. Auch im Jahr 1906 wurden für „bauliche Gestaltungen“ 33.945 Rubel und 77 Kopeken sowie für „Möblierung und Einrichtung“ 60.249 Rubel 40 Kopeken genehmigt43. Trotz der vielen Auslagen war der Zustand der sanitären Anlagen des Bot­schaftshotels nach wie vor unbefriedigend und in höchstem Maße gesundheitsge- fahrdend. Aehrenthal war im Sommer 1905 gezwungen, wegen der „... sanitä­ren Verhältnisse in St. Petersburg, welche seit jeher in Folge des Fehlens eines entsprechenden Trinkwassers und des Mangels jedweder Kanalisation die denk­bar ungünstigsten ... den hygienischen Zustand des hiesigen Botschaftshotels und der zahlreichen Einwohnerschaft desselben (circa 100 Personen, darunter 20 Kinder) einer verschärften Kontrolle zu unterziehen. Über behördliche Anord­nung finden in allen Privathäusern polizeiliche und sanitätsärztliche Inspizie­rungen statt, und habe ich mich veranlasst gesehen, eine solche sanitäre Inspek­tion auch im k. u. k. Botschaftspalais einzuführen ,..“44. Auch im Sommer 1908 mußte Geschäftsträger Fürstenberg „in Anbetracht der hierorts in so bedeutendem Umfange aufgetretenen Cholera-Epidemie und des preeären Zustandes der hiesigen Kanalisationsverhältnisse auf das Peinlichste alltäglich Desinfizierungs- und Reinigungs-Arbeiten im Botschaftspalais vor­nehmen lassen“45. „Im Hinblick darauf, daß sich im Botschaftsgebäude bereits mehrere Krank­heitsfälle ereignet hatte“, veranlaßte Botschafter Berchtold 1908 eine Kommissi­on „bestehend aus dem Botschaftsarzt, dem Botschaftsarchitekten sowie dem städtischen Sanitätsarzte und dem Architekten Maximilian Küttner, sämtliche Ubikationen des Botschafthotels genau zu untersuchen“. Die Kommission kam zum Schluß, daß insbesondere die aus Holz bestehenden sanitären Anlagen durch solche aus Stein und Beton zu ersetzen wären, wofür - samt einigen wei­teren Arbeiten - Kosten von 36.371 Rubel errechnet wurden46. Das k. k. Ministerium des Innern entsandte zur Begutachtung „den Ingenieur im Hochbaudepartment“, Friedrich Golitschek Edlen von Elbwart47, dessen Bericht vom 15. Juli 1908 einen interessanten Einblick in den Zustand nicht nur des Botschaftspalais, sondern auch in die sanitären Verhältnisse in St. Petersburg erlaubt. 43 HHStA Wien, AR, Fach 6/91, Palais St. Petersburg-2/16, ZI. 37.875/3 aus 1906. 44 HHStA Wien, AR, Fach 6/30, Palais St. Petersburg-7, ZI. 67.557/2 aus 1905, Bericht (Aehrenthal) Nr. LX-Laus St. Petersburg vom 8. September 1905. 45 HHStA Wien, AR, Fach 6/91, Palais St. Petersburg-4/60, ZI. 75175/2 aus 1908, Bericht (Fürstenberg) Nr. LXXV-Q aus St. Petersburg vom 17. September 1908. 46 Ebenda, Palais St. Petersburg-4/5 5, ZI. 36118/2 aus 1908, Bericht (Berchtold) Nr. XXXV-P aus St. Petersburg vom 7. Mai 1908. 47 Ebenda, Palais St. Petersburg-4/56, ZI. 48.481/3 aus 1908, Ministerium des Innem an Außen­ministerium vom 21. Juni 1908. 11

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