Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 43. (1993) - Festschrift für Rudolf Neck zum 65. Geburtstag
KUDERNA, Wolfgang: Die Verleihung des Ritterkreuzes des Militär-Maria Theresien-Ordens an Oberstleutnant Josef Wächter 1918
sion der 2. Armee. Im Anschluß daran lagen die 54. und die 55. Infanteriedivision des XXV. Korps, der deutschen Südarmee unterstellt. Der Beginn der Offensive wurde Anfang Juli erwartet. Nach dem Nachlassen des russischen Angriffsschwunges sollte, nach einem Plan des Oberbefehlshabers Ost, eine Gegenoffensive der gesamten Heeresgruppe die Russen aus Galizien und der Bukowina werfen. Somit mußte das Heeresgruppenkommando, welches zugleich auch die 2. Armee führte, den Angriff eines weit überlegenen, an mehreren Stellen gleichzeitig losbrechenden Feindes abwehren, Reserven hiezu bereitstellen, verschieben und gegebenenfalls neu gruppieren und - immer noch gleichzeitig - die Gegenoffensive mit allen dazugehörigen Schwierigkeiten wie Umgruppierungen, Bereitstellung von frischen Verbänden, Zuweisung von Gefechtsstreifen, Angriffszielen und Versorgungslinien und vieles mehr erledigt werden. Alles dies sollte sich im Verlauf der Abwehrschlacht jedoch auf die Frage konzentrieren, ob in Reserve stehende Verbände einzusetzen oder ob sie für den Gegenangriff aufzusparen wären.8) Am 29. Juni begann das Vorbereitungsfeuer der russischen Artillerie gegen die Stellungen der 19. und 54. Infanteriedivision. Am 1. Juli begann der Infanterieangriff. Zwei russische Armeen griffen einerseits die deutsche Südarmee bei Brzezany, andererseits bei der Ortschaft Koniuchy die Nahtstelle zwischen 2. und Südarmee an. In der von 1. bis 3. Juli dauernden Schlacht gelang den Truppen der Südarmee ein glatter Abwehrerfolg. Anders verliefen die Kämpfe bei Koniuchy-Zborow. Hier trafen vier russische Divisionen auf zwei schwache österreichisch-ungarische Brigaden. Der Rechte Flügel der 2. Armee war von der 38. Infanteriebrigade besetzt. Im Anschluß daran stand am rechten Flügel der Südarmee die verminderte 132. Infanteriebrigade, die das Infanterieregiment 88 mit drei Bataillonen als Korpsreserve abgegeben hatte. Stärkstes Artilleriefeuer führte seit den Morgenstunden des 1. Juli zu schweren Verlusten und zur Einebnung der vordersten Kampfdek- kungen. Zusätzlich nahm Staub und Rauch den Verteidigern jede Sicht auf die Bewegungen des Feindes. Um 9 Uhr früh begann der Angriff: Sturmtrupps brachen in die Gräben ein und stießen sofort in das Hintergelände weiter vor. Das Aufrollen der Gräben wurde den nachfolgenden Wellen überlassen. Gleichzeitig wurde das Artilleriefeuer nach hinten verlegt, wodurch die meisten Telefonverbindungen zerstört werden konnten. Verleihung des Ritterkreuzes des Militär-Maria Theresien-Ordens an Obstlt J. Wächter 8) Ebenda, Seite 84. 151