Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
LIETZMANN, Hilda: Quellen zur ungarischen Krönung Rudolfs II. im Jahre 1572
Hilda Lietzmann Morgens Wien auf dem Wasserwege74). Bei heftigem Regenwetter fuhr die Gesellschaft donauabwärts nach Preßburg. Nach Mittag legten die Schiffe unter Böllerschüssen dem Schloßberg gegenüber am rechten Donauufer an, wo die Vertreter der Stände zum Empfang bereitstanden. Antonius Verantius, Erzbischof von Gran, begrüßte mit einer lateinischen Rede den Kaiser, der sich in gleicher Sprache dafür bedankte. Auf einer Kutsche sitzend nahm Maximilian II. anschließend die Parade ab. Die ungarischen Stände ließen 2.618 herausgeputzte Reiter am Kaiser vorüberziehen. Wäre das Wetter nicht so schlecht gewesen, so hätten die Ungarn Reiter und Pferde noch prächtiger geschmückt; wegen des Regens blieben die Federbüsche jedoch teilweise eingehüllt, die Zotteln in den Beuteln, berichtete Haberstock75). Als dieses Schauspiel vorüber war, zogen der Kaiser und sein Gefolge über die Schiffbrücke zur Stadt. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister und Stadträte konnte sich Maximilian mit seiner Gemahlin und Erzherzog Karl endlich auf das Schloß zurückziehen. Die Nacht war längst hereingebrochen und der Kaiser mindestens seit 18 Stunden auf den Beinen, was bei der vielzitierten und sicher auch zutreffenden „Leibsschwachheit“ eine beachtliche physische Leistung war76). Die Erzherzoge Rudolf und Ernst, die Herzoge von Bayern und der Herzog von Jülich verließen mit ihrem Hofgesinde am gleiche Tage Wien. Sie zogen nach Hainburg, um dort zu übernachten. Österreicher, Böhmen und Mährer, Schlesier und Lausitzer hatten in Petronell, Hundsheim und Prellenkirchen ihr Nachtlager. Am folgenden Sonntag sammelte sich das Fußvolk in aller Frühe bei der Ruine Pottenburg südlich von Wolfsthal, wo sich auch Erzherzog Karl mit seinen Neffen Matthias und Maximilian einfand. Als der König mit seiner fürstlichen Begleitung eintraf, wurde er ein erstes Mal von Niklas Fürst Báthory sowie den Grafen Georg von Zriny und Balthasar Batthiány begrüßt. Dann formierte sich ein Zug mit den niederen Chargen, den ständischen Vertretern, den Bediensteten des Marstalls, den Edelknaben und Trompetern an der Spitze. Es folgten das Hofgesinde, Grafen, Herren und sonstiger Adel, dann die Gruppe um den König, dahinter die Hartschiere und die Wiener Knechte. So bewegte man sich in Richtung Kitt- see, wo Johann Balassa den König ein zweites Mal begrüßte. Nach einer viertel Meile auf Preßburg zu erwartete der Erzbischof von Gran mit 74) Vgl. für das Folgende die Edition am Ende des Beitrages und Verzaichnus (wie Anm. 5) fol. 83 r-87 v. 75) Bericht Haberstocks vom 22. September: wie Anm. 51 fol. 99 r. 76) Der päpstliche Nuntius Delflno berichtete am 26. September an Kardinal Tolo- meo Galli: „et entrorno in castello in cocchio, non potendo S. Mtä cavalcare per la gotta“; vgl. Nuntiaturberichte 139 und dazu auch die Berichte der beiden Sekretäre aus Wien. 74