Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)

LIETZMANN, Hilda: Quellen zur ungarischen Krönung Rudolfs II. im Jahre 1572

Ungarische Krönung Rudolfs II. 1572 geistlichen und weltlichen Herren den König zum dritten Empfang. Auf die lateinische Oratio des Erzbischofs77) dankte Rudolf gleichfalls in lateinischer Rede. Inzwischen hatten sich auch die Ungarn dem Zug angeschlossen, die Zahl der Pferde schätzte man auf 5.00078). Als man unter Böllerschüssen endlich Preßburg erreichte, war es bereits dämm- rig geworden79). Während sich das Geleit gleich in die Feldlager ver­fügte, zog Rudolf in die Stadt ein und begab sich mit seinen Brüdern in den Bischofshof, während die Bayernherzöge ihr nahegelegenes Quar­tier aufsuchten80). Der Kaiser hatte für den folgenden Tag die Ständevertreter auf das Schloß berufen. In lateinischer Rede erinnerte er die Ungarn daran, daß er sie im Juni aufgefordert hatte, sich über den Tag der Krönung zu entschließen81). Noch am selben Tag wurde dem Kaiser die Antwort überbracht, wonach die Krönung Donnerstag, dem 25. September statt- finden solle. Die St. Martinskirche war für die Krönung bereits hergeriehtet. Auf der rechten Seite des Chores standen das mit Brokattüchern ausgelegte Gestühl mit Baldachin für den Kaiser und die Kaiserin, daneben ein weiteres, gleichfalls mit Brokat behängtes, für die Erzherzoge und die fürstlichen Gäste. Auf der linken Seite befanden sich die mit rotem Samt ausgeschlagenen Plätze für den päpstlichen Nuntius sowie die Bot­schafter Spaniens und Venedigs. Vor dem Altar stand der brokatene Thronsessel mit Baldachin für den König, neben den man aus Teppi­chen eine Kabine für die Salbung konstruiert hatte. Im Kirchenschiff 77) Die Oratio des Erzbischofs Verantius ist, soweit ich sehe, nur Haberstocks Text beigefügt (fol. 58r-60r); gedruckt ist sie bei Jacob Ferdinand von Miller, Epistolae impe­ratorum et regum Hungáriáé Ferdinandi Primi et Maximiliani Secundi ad suos in Porta Ottomanica oratores (Pest 1808) 440-445. 78) Brief Ferdinands vom 24. September: wie Anm. 46 fol. 2v, und Brief Wilhelms vom 22. September: wie Anm. 45 fol. 133r. An diesem Tag waren die ungarischen Trup­pen prächtig herausgeputzt, sie trugen alle ihre besonderen Farben und an ihren Lanzen seidene Fahnen, einige lange Röcke aus Tiger-, Leoparden- oder Wolfsfell. Es waren auch solche darunter, die ganz in Schwarz gekleidet waren. Dieser „clagerisch hauffen“ soll zu den Grafen von Zriny, die damit vielleicht den Kaiser an die Niederlage von Sziget 1566 erinnern wollten, gehört haben. Auch pommersche und braunschweigische Reiter mit schwarzsamtenen und wollenen Mützen wurden in dem Zug gesehen; vgl. BHStA KB ÄA 4446 fol. 87r. 79) Die zwei Meilen von Hainburg nach Preßburg konnte man zu Pferde gewöhnlich in 1 1/2 Stunden bewältigen, an diesem Tage brauchte man acht Stunden. Ferdinand schrieb, daß der Zug am Abend zwischen 6 und 7 Uhr die Stadt erreicht habe; vgl. Anm. 78. 80) Haberstock bedauerte in seinem Bericht vom 22. September, daß es beim Einzug bereits dunkel gewesen sei; man habe die Personen nicht erkennen und nicht sehen können, wie sie gekleidet waren: wie Anm. 51 fol. 100 r. 81) Magyar országgyűlési emlékek 5 427f. 75

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