Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
LIETZMANN, Hilda: Quellen zur ungarischen Krönung Rudolfs II. im Jahre 1572
Hilda Uetzmann in fürstlicher Gesellschaft im eigenen Logis oder bei Erzherzog Karl eingenommen62). Herzog Wilhelm zog sich an einigen Tagen von diesem Treiben zurück; er blieb in seiner Kammer und speiste allein63). Möglicherweise waren die Verärgerung des Vaters über das lange Ausbleiben der Söhne64) oder die Trennung von seiner Gemahlin Anlaß zu trüben Gedanken. Am 17. September schrieb er an Herzog Albrecht, daß er „viel lieber daroben, also alhie vergeblich in der lanngweil sein wolte“65). Vielleicht mißfiel dem bayerischen Herzog auch die gespannte Atmosphäre am Kaiserhof, wo es immer neue Gerüchte bezüglich des Aufbruchs gab. Als der Kaiser am 6. September im Burghof die Hartschiere musterte, hielt man das schon für ein Zeichen baldiger Abreise66). Wildie neuen, für Wilhelms Planungen in Landshut wichtigen Lustgärten beim Neugebäude. 62) Am 5. September speisten die Herzoge in ihrem Logis mit den Erzherzogen Rudolf und Ernst sowie dem Herzog von Jülich bei Musik der kaiserlichen Hofmusikkapelle mit allerlei Instrumenten und Gesang. Die fünf Fürsten blieben noch bis 8 Uhr in Wilhelms Rammer; um diese Stunde pflegte man sich zurückzuziehen. Vgl. Bericht Win- klmairs vom 7. September: wie Anm. 29 fol. 163 v. Am 17. erschien Erzherzog Karl unangemeldet zum Nachtmahl, was den Herzogen unangenehm war, weil sie diejenigen Personen, die aufzuwarten pflegten, beurlaubt hatten; vgl. Bericht Haberstocks vom 22. September: wie Anm. 51 fol.97r. 63) Berichte Winklmairs vom 12. und 18. September (wie Anm. 29 fol. 179 rv und 97r): am 13. sei Herzog Wilhelm daheim geblieben, „umb das sy ain wenig ettwas melancolisch sein wellen“(fol. 196r). 64) Wilhelm hatte eigens seinen Pfennigmeister, dem keineswegs die angekündigten 10.000 fl ausgehändigt worden waren, zurückgeschickt, um von seinem Vater weiteres Geld zu erbitten. Herzog Albrecht schrieb am 9. September aus Landshut höchst ungehalten, Wilhelm wisse, wie sehr er in dieser Zeit die Kammer belaste und wie ungelegen es ihm käme, große Unkosten aufzubringen. Albrecht war äußerst verärgert über den Kaiser, er hätte es sicher begrüßt, wenn seine Söhne vorzeitig zurückgekehrt wären, denn er fand es ihrer unwürdig, daß sie in Wien auf die Krönung warteten; vgl. BHStA/ GHA KA 606/III und 597/V fol. 112r; ferner das Schreiben des Kanzlers Simon Thaddäus Eck an Herzog Wilhelm vom 11. September: BHStA Fürstensachen 424/1 fol. 26ff. Herzog Wilhelm machte während der Reise beträchtliche Schulden; vgl. dazu das Rechnungsbuch des Sekretärs Stefan Schleich, Bayerisches Staatsarchiv Landshut, Rep. 18 Zentral- rechnungen/Kammermeisterrechnungen. Am 7. September empfing Schleich von dem Fugger-Faktor Gabriel Geizkofler 3.000 fl, am 2. Oktober von Giov. Ciurletta 500 fl: fol. 8v-9r, fol. 108r-121r verzeichnet die Ausgaben während der Reise. 1573 bewilligte Herzog Albrecht 2.000 fl zur Tilgung der Schulden; vgl. BHStA, Kurbayern Hofzahlamt 18 fol. 289 v. 65) Brief Wilhelms vom 17. September, in dem er sich für die Ungelegenheiten bei seinem Vater entschuldigt: wie Anm. 45 fol. 125 v; ferner Brief vom 19., „das man baldt darnach zur crönung greiffen solle, die sein Almacht glückhlich furuber geen lassen unnd uns beeden gebruedern sambt den unnsern wider mit freiden zu Eur Gn. helffen wellen“ (fol. 128r). 66) Bericht Winklmairs vom 7. September: wie Anm. 29 fol. 167r. 72