Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
LIETZMANN, Hilda: Quellen zur ungarischen Krönung Rudolfs II. im Jahre 1572
Ungarische Krönung Rudolfs II. 1572 ten51). Anschließend machten sie dem Raiser ihre Aufwartung. Am 7. September zogen die Fürsten jedoch in aller Frühe weit vor die Stadt, um Erzherzog Karl zu begrüßen, der um 10 Uhr mit zahlreichen Kutschen in die Burg einzog52). Am 10. ritten die Herzoge zwischen 7 und 8 Uhr hinaus, wo sie der Kaiser - vermutlich in Schloß Ebersdorf - zur Jagd und zum Frühmahl empfing53). Da Herzog Wilhelm ein großer Liebhaber des Ballspiels war, ergötzte er sich am 15. September in der Früh im kaiserlichen Ballhaus54). Das Morgenmahl nahmen die Herzoge gewöhnlich in ihrem Logis in wechselnder Gesellschaft ein55). An den beiden letzten Tagen ihres Wiener Aufenthaltes ritten sie zum Frühmahl in die Burg, am 18. bekamen sie ein Wildschwein, das der Kaiser selbst erlegt hatte, vorgesetzt56), während am 19. eine Niederländerin nach dem Mahle überaus schön zur Laute sang57). Für den Nachmittag war mehrfach eine Jagd mit dem Kaiser oder dessen ältesten Söhnen angesetzt, von der die Gesellschaft meist zu später Stunde zurückkehrte58). Es gab aber auch ein Kränzeischießen des Grafen von Ortenburg (17. September)59), ein Ringrennen (18. September)60), Spaziergänge mit den Erzherzogen und anderes61). Das Nachtmahl wurde 51) Bericht Haberstocks vom 17. September: BHStA KB ÄA 4324 fol. 86r und Bericht Winklmairs vom 18. September: wie Anm. 29 fol. 197r. 52) Bericht Winklmairs vom 7. September: wie Anm. 29 fol. 164r und 168r. 53) Bericht Winklmairs vom 12.September: wie Anm.29 fol. 179r. 54) Bericht Winklmairs vom 18. September: wie Anm. 29 fol. 196v. 55) Die Herzoge nahmen das Morgenmahl meist in Gesellschaft von vier Personen (außer den Herren von Tscheratin und von Praag): Graf Ernst von Ortenburg, Pankraz von Windischgrätz, Bernhard Thurzo, Wolf Georg Gillus, Ruprecht von Stozing, Vizekanzler Ludwig Rumpf, Dr. Timotheus Jung, Dr. Hans Hegenmüller. 56) Brief Herzog Wilhelms vom 19. September: wie Anm. 45 fol. 128 r. 57) Brief Herzog Ferdinands vom 24. September: wie Anm. 46 fol. 2r; es handelt sich um die belgische Lautenspielerin Martha, die 1570 als junges Mädchen an den Kaiserhof gekommen war. Vgl. Robert Lindeil, Marta gentile che’l cor m’ha morto. Eine unbekannte Kammermusikerin am Hofe Maximilian II., in: Musicologica Austriaca 7(1987) 59 ff. 58) Brief Herzog Wilhelms vom 13. September: wie Anm. 45 fol. 115r-116r; am 12. waren die Fürstenpersonen beim Hereinfahren am Abend mit dem Kaiser auf der Kutsche gesessen. Dabei sprach Maximilian über politische Dinge, etwa über einige Anliegen des spanischen Königs: So wolle Philipp, daß er der Liga beitrete, wozu der Kaiser laut Wilhelm wenig Lust verspürte. Vgl. auch Haberstocks Bericht vom 17., wonach der Kaiser zwei Tage zuvor mit sechs Kutschen „auff die mül (ain orth allso genannt)“ - die Katterburg - gefahren war: wie Anm. 51 fol. 86 r. 59) Brief Ferdinands vom 24. September: wie Anm. 46 fol. 2r. 60) Außer Wilhelm und Ferdinand beteiligten sich daran Erzherzog Karl und der Herzog von Jülich: wie Anm. 59. 61) Ein kulturelles Programm scheinen die bayerischen Herzoge nicht absolviert zu haben. Möglicherweise haben sie bei ihren Spaziergängen mit den Erzherzogen das eine oder andere besichtigt, etwa die kaiserlichen Sammlungen, das Lusthaus im Prater, 71