Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)

LIETZMANN, Hilda: Quellen zur ungarischen Krönung Rudolfs II. im Jahre 1572

Hilda Lietzmann Ferdinand hingegen beschränkte sich auf das Aufzählen des Tagesge­schehens; er fand offensichtlich Gefallen am Treiben bei Hofe46). Am Nachmittag des 2. September ritten die Erzherzoge Rudolf und Ernst mit den Vettern zur Jagd vor die Stadt. Das Nachtmahl wurde in Frau Pögels Haus eingenommen. Am Tag darauf besuchten die jungen Fürsten um 7 Uhr die Hl. Messe im Dorotheerkloster über der Gasse, anschließend begaben sie sich an den Hof, um sich der Kaiserin zu präsentieren. Als Herzog Wilhelm um Audienz beim Kaiser ansuchte47), wurde ihm diese sogleich gewährt, und Maximilian unterhielt sich etwa eine Stunde mit seinem Neffen, wobei dieser Gelegenheit fand, ein den Landsberger Bund betreffendes Anliegen Herzog Albrechts vorzubrin­gen48). Die Herzoge kehrten um 9 Uhr in ihr Logis zurück und nahmen in Gesellschaft des Herzogs von Jülich49), der Herren Popel von Lobko- witz, von Tscheratin und von Praag das Morgenmahl ein50). Am Nach­mittag empfingen sie um 3 Uhr die Erzherzoge Rudolf und Ernst in ihrer Behausung. Die Höflichkeit erforderte, daß sie ihre Gäste zwei Stunden später zurück in die Burg begleiteten. Das Schema für den Tagesablauf war: am Morgen zuerst die Hl. Messe, meist im Dorotheer­kloster, aber auch in der Burgkapelle (7./8. September), in der Jesuiten­kirche am Hof (11. September) oder in St. Stephan (16. September), wo auf die Messe Besichtigung der Kirche und Aufstieg auf den Turm folg­46) Herzog Ferdinand hat vermutlich zweimal aus Wien und aus Preßburg am 24. und 29. September geschrieben. Die beiden Schriftstücke aus Preßburg befinden sich in: BHStA KB 1,4 1973 fol. 2 ff; es ist mir nicht gelungen, die Wiener Briefe aufzufinden. Vgl. auch Winklmairs Bericht vom 18. September (wie Anm. 29 fol. 197r): „Ir Fl. Gn. haben wenig rhue, muessen imer zue aus, yez dortt yez da an ainen lust“. 47) Brief Herzog Wilhelms an seinen Vater vom 4. September: wie Anm. 43 fol. 108 r; vgl. Winklmairs Bericht vom gleichen Tag: wie Anm. 29 fol. 155r. 48) Es ging dabei um den Beitritt König Philipps II. zum Landsberger Bund. Der königliche Sekretär Zaias hatte sich gegenüber dem Agenten der Herzogin von Lothrin­gen am spanischen Hofe Melegaro dahingehend geäußert, daß allein Albrecht V. verhin­dert habe, daß der König diesem Bündnis angehöre. Der Herzog verwahrte sich ent­schieden gegen eine solche Unterstellung. Dem Kaiser war darüber nichts bekannt; er versprach, bei nächster Gelegenheit dem König deswegen zu schreiben: wie Anm. 45 fol. 108r-110r, auch 119v. 49) Karl Friedrich Herzog von Jülich, Kleve und Berg hielt sich zwischen 1572 und 1574 am Kaiserhof auf; er reiste anschließend nach Italien, wo er am 9. Februar in Rom verstarb. Karl Friedrich von Jülich wurde von Stephan Pighius begleitet, der nach dem Tod des Herzogs die Reise niederschrieb: Hercules prodicius, seu principis juventutis, vita et peregrinatio (Antwerpen 1587, 21609) vgl. Lindell, Hercules prodicius (wie Anm. 9). 50) Es war damals Brauch, zwei größere Mahlzeiten am Tage einzunehmen. Das Früh- oder Morgenmahl gab es zwischen 9/10 und 12 Uhr, das Nachtmahl zwischen 16/17 und 19 Uhr, was am Kaiserhof natürlich nicht immer streng eingehalten werden konnte. Herzog Albrecht V. hatte 1555/56 den Beginn der Mahlzeiten auf morgens 9 und nachmittags 4 Uhr festgesetzt; vgl. BHStA Fürstensachen 362/II fol. 171 r. 70

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