Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
LIETZMANN, Hilda: Quellen zur ungarischen Krönung Rudolfs II. im Jahre 1572
Ungarische Krönung Rudolfs II. 1572 waren mit der Ausstellung von Paßbriefen* 39), mit der Beschaffung und Verteilung der Gelder40), der Anfertigung der Auswurfmünzen41) und vielen anderen Dingen beschäftigt. Dabei konnte niemand verläßlich sagen, wann Maximilian II. Wien verlassen werde und welcher Tag für den Krönungsakt in Aussicht genommen sei. Winklmair wußte zu berichten, daß es der Kaiser wegen seines Gesundheitszustandes mit der Krönung eilig habe; er hatte aber auch vernommen, daß sich alles noch um Wochen hinziehen könne42). Wilhelm und Ferdinand mußten sich nun länger als vorgesehen in Wien einrichten. Der Kaiser hatte die Herren von Tscheratin und von Praag zu ihrer Betreuung abgeordnet43). Es sollte an „Traktation“ kein Mangel sein, das heißt, Hofküche und -keller sorgten für Speise und Trank, der Marstall für die Leibpferde der Herzoge44). Über den Tagesablauf informierten nicht allein die Sekretäre Winklmair und Haberstock, auch Wilhelm und Ferdinand waren vom Vater zur Berichterstattung angehalten worden. Es besteht zwischen den Briefen der beiden Brüder ein bemerkenswerter Unterschied: Wilhelm war sich seiner Bolle als Thronfolger bewußt. Er schrieb ausführlich über seine Gespräche mit dem Kaiser, dem spanischen Gesandten und anderen wichtigen Personen am Kaiserhof; Vergnügungen erwähnte er nur selten45). schaffen könnte. Für den Rücktransport der Geschütze nach Wien vgl. die Weisung 1573 Januar 27 an den Schiffmeister Hans Reifnitzer in Gedenkbuch 121 fol. 58 r. 39) HKA Reichsakten 203/1 fol. 20ff. und 71 40) Am 31. August beobachtete Winklmair den Transport von 12.000 fl, wovon 8.000 fl für die acht Fähnlein Wiener Fußknechte bestimmt waren: wie Anm. 29 fol. 141r; HKA Gedenkbuch 119 fol. 490 rv: Weisung vom 1. September an den Hofzahlmeister betreffend die finanzielle Ausstattung des Königs und seiner Brüder für die Krönung. 41) HKA Reichsakten 203/1 fol. 54: Abriß der Münzen mit ihren Umschriften von Münzmeister Adam Hartmann, der zum Einkauf von Gold und Silber für die Prägung auffordert. 42) Bericht Winklmairs vom 31. August: wie Anm. 29 fol. 140v. 43) Bericht Winklmairs vom 7. September: wie Anm. 29 fol. 163 r. Friedrich von Tscheratin diente als Kriegsrat ohne Besoldung, Hans Christoph von Praag als Truchseß; vgl. die Hoßtaatsverzeichnisse Kaiser Maximilians II. von 1571, in: BHStA/GHA KA 1712/ D 33 und von 1574/75 in: Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien (HHStA) Obersthoßnei- steramt SR 183/50 fol. 9r und 183/52 fol. 2r. 44) Obersthofmeister Hans Trautson an Winklmair, Bericht vom 27. August: wie Anm. 29 fol. 130r. Im Bericht vom 31. heißt es, der Kaiser werde außer der Fürstentafel für die Räte und vornehmsten Personen des Gefolges eine Herrentafel verordnen: fol. 142 r. 45) Die Briefe Herzog Wilhelms vom 4., 13., 17. und 19. September aus Wien, vom 22., 26. und 28. September aus Preßburg befinden sich mit den Antwortschreiben Herzog Albrechts in: BHStA/GHA KA 597/V fol. 108-134 und 137-141. 69