Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
LIETZMANN, Hilda: Quellen zur ungarischen Krönung Rudolfs II. im Jahre 1572
Ungarische Krönung Rudolfs II. 1572 tiermeister behilflich sein sollte23). Hans Weiler wurde für die Reise zum Pfennigmeister verordnet; 10.000 Gulden sollten ihm zugeteilt werden24). Er erhielt strikten Befehl, dieses Geld allein für die Reiseausgaben und nicht für Spiel und Ritterspiel oder ähnliche überflüssige Auslagen zu verwenden. Der Furierzettel führt 67 Personen mit 92 Pferden, ausgenommen die Leibpferde Herzog Wilhelms, an25). Wolfgang Müller, Schiffmeister in Wasserburg, hatte für die Durchführung der Reise zu sorgen. Für die Bereitstellung von 22 Naufargen und 11 Nachschiffen26) mit 76 Knechten für Steuerung und Bedienung verlange er 611 Gulden27). Der Schiffskonvoi setzte sich nach dem Bartholomäitag, am 25. oder 26. August, von Wasserburg aus in Bewegung28). Nach einer letzten Nachtstation in Klosterneuburg trafen die beiden Herzoge mit ihrem Gefolge an einem Montag, dem 1. September, in Wien ein29). Die Erzherzoge Rudolf und Ernst waren am Nachmittag um 4 Uhr zur Donau geritten, um die Vettern zu begrüßen und in ihr Quartier zu geleiten30). Am Kaiserhof hatte man mit den Vorbereitungen für die Krönung um einiges früher begonnen. Die Stadt Wien sollte 800 Fußknechte, die übrigen niederösterreichischen Städte und Märkte weitere 800 gegen Bezahlung eines Monatssoldes von 5 Gulden als Geleit für den König stellen31). Auch die böhmischen Kronländer waren um Begleitmann23) BHStA Fürstensachen 418/1 fol. 64: 1572 August 19 Dingolfing, Abschrift. 24) Wie Anm. 23 fol. 63: August 22 Leonsberg, Abschrift. 25) Wie Anm. 23 fol. 55 ff. 26) Als Naufargen bezeichnete man stromabwärts fahrende Lastschiffe, Nachschiffe waren solche für den Transport von Personen. 27) Wie Anm. 23 fol.52ff. Zu den 611 fl kamen weitere Ausgaben des Schiffmeisters in Höhe von 444 fl für Lebensmittel, eine Reise nach München etc.: fol. 65f.; Müller erhielt zumindest einen Teil der Summe vom Wasserburger Zollamt erstattet; vgl. BHStA Kurbayern Hofzahlamt 17 fol. 485v. 28) Der Konvoi bestand aus dem fürstlichen Leibschiff, je einem Küchen-, Keller-, Edelleute- und Plunderschiff, ferner vier Roßschiffen, 3 Plätten und 22 weiteren Schiffen: wie Anm. 23 fol. 66r; vgl. Fritz Plaseller, Die tirolische Innschijfahrt, in: Tiroler Heimat 9/10 (1936-37) 116-128. 29) Berichte Winklmairs an Herzog Albrecht vom 31. August und 2. September: BHStA KBÄA 4323 fol. 142r und 151 r. 30) Winklmair berichtete am 26. August, daß die beiden Herzoge dem Vernehmen nach in der Stallburg untergebracht werden sollten. Bereits einen Tag später erhielt er vom Obersthofmeister Hans Trautson den Bescheid, die beiden würden im Haus der Frau Pögel, einem Freihaus in der Dorotheergasse, in dem Wilhelm bereits 1571 bei der Hochzeit seiner Schwester Maria gewohnt hatte, einquartiert: wie Anm. 29 fol. 129v und 130r; vgl. ferner Ernst Birk, Materialien zur Topographie der Stadt Wien in den Jahren 1563-1587, in: Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien 10(1869) 103. 31) HKA Reichsakten 203/1 fol. 58ff: Patent vom 26. Juli mit Aufstellung, an welche Orte dieses zu richten und wie viele Knechte jeweils zu stellen seien. 67