Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
LIETZMANN, Hilda: Quellen zur ungarischen Krönung Rudolfs II. im Jahre 1572
Hilda Lietzmann schäften angegangen worden. Unterbringung und Verpflegung von rund 10.000 Menschen in der kleinen Stadt Preßburg stellten die Behörden vor erhebliche organisatorische Probleme und Kosten. Der kaiserliche Baumeister Pietro Ferabosco wurde mit dem Auftrag zur Errichtung einer neuen Stadt, der Zeltlager für die nationalen Gruppen (Abb. 2), nach Preßburg abgeordnet32). Auch mußte eine zweite Schiffbrücke über die Donau geschlagen werden; an die ungarische Kammer erging die Weisung, dafür 10.000 Gulden bereitzustellen33). Es waren nicht allein im Schloß und im Bischofshof Räume für Kaiser und König herzurichten34), auch in der St. Martinskirche und an anderen Orten mußten Tribünen aufgestellt werden35). Die ungarische Kammer wurde angewiesen, 100 Mut Hafer einzukaufen36). Ein kaiserlicher Erlaß forderte die Untertanen des Landes ob und unter der Enns auf, Wein, Fleisch, Brot und andere Viktualien sowie Hafer gegen bare Bezahlung und Befreiung von allen Abgaben in das deutsche Lager und in die Stadt Preßburg zu bringen37). Am Tage der Ankunft der bayerischen Herzoge hatte man die acht Fähnlein Wiener Kriegsvolk gemustert und 60 Stück grobes Geschütz auf den Weg nach Preßburg gebracht38). Die kaiserlichen Behörden 32) Zu Ferabosco vgl. Harry Kühnei, Die Hofburg zu Wien (Graz-Köln 1964) 69 Anm. 3. Da bei Feraboscos Abrechnung ein Betrag von 105 fl fehlte, wurde der Futtermeister Leonhard Gamper angewiesen, den Betrag in seine Rechnung aufzunehmen und ihn dem Baumeister für seine Mühe nachzulassen; vgl. HKA Gedenkbuch 121 fol. 43 rv: Weisung 1573 Januar 1. 33) Anläßlich einer Krönung mußte in Preßburg als Verbindung zwischen den beiden Donauufern eine zweite Schiffbrücke errichtet werden. Wenn alles vorüber war, wurde die Brücke wieder abgerissen und das Material anderweitig verbraucht; vgl. HKA Gedenkbuch 119 fol. 463r-464r: Weisung 1572 August 17; weitere Weisungen die Schiffbrücke und deren Abtragung betreffend ebenda fol. 473 r, 622v und Gedenkbuch 121 fol. 57v. 34) Der Kaiser wohnte mit der Kaiserin und Erzherzog Karl im Schloß, König Rudolf mit seinen Brüdern Ernst, Matthias und Wenzel im Bischofshof; vgl. HKA Gedenkbuch 119 fol. 463rv, 467v-468r. 35) HKA Gedenkbuch 121 fol. 57rv: Weisung an den Kammerfurier Hans Rädlhofer 1573 Januar 27, er solle über 1375 fl, die er zur Erbauung der Tribünen in der Kirche und auf dem Turnierplatz erhalten habe, mit der niederösterreichischen Kammer abrechnen und berichten, wie er das Holz verwendet oder ob er es noch in Vorrat habe; vgl. auch HKA Reichsakten 203/1 fol. 50. 36) HKA Gedenkbuch 119 fol. 461 v: Weisung August 14. 37) HKA Reichsakten 203/1 fol. 67f.; fol. 52 betrifft die Lieferung von Geflügel und Wildpret, fol. 56 eine Bestellung von Fischen für die Hoftafel; die Weisungen in Gedenkbuch 121 fol. 57v, 194v-195r betreffen Zahlungen für gelieferte Fische. 38) Bericht Winklmairs vom 2. September: wie Anm. 29 fol. 151 r. Da man für die Krönung von 1563 nicht so viele Geschütze nach Preßburg hatte bringen lassen, vermutete man in Wien, der Kaiser wolle diese anschließend auf die Grenzbefestigungen verteilen, weil man sie anderenfalls nur mit großen Unkosten wieder nach Wien zurück68