Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
LIETZMANN, Hilda: Quellen zur ungarischen Krönung Rudolfs II. im Jahre 1572
Hilda Lietzmann nicht paßte, zwei Söhne auf die teure Reise zu schicken17). Auch erscheint es etwas vordergründig, wenn man zur Entschuldigung anführte, daß Wilhelms Gemahlin nicht wohlauf sei, sodaß man befürchten müsse, sie würde von „allerley melancolei unnd beschwerung“ befallen, wenn ihr Gemahl eine so weite Reise unternehme18). Albrecht V. konnte sich jedoch den Wünschen des Kaisers nicht entziehen. In München ging man unverzüglich daran, die Reise der beiden Herzoge vorzubereiten; wenn die Krönung am 7. September stattfinden sollte, war keine Zeit zu verlieren19). Es mußte entschieden werden, ob die Fürsten in Wasserburg oder erst in Neuötting auf das Schiff „sitzen“ sollten20), wie Hafer, der in Österreich knapp und teuer war, zu beschaffen sei. Für die fürstliche Tafel wollte man acht Fässer Neckarwein mitführen, für das Gesinde in Wasserburg und anderen Stationen jeweils ein Faß Osterwein einkaufen21); auch sollten zwei Tonnen Einbecker Eier eingeladen werden22). Weitere Beratungspunkte waren die Anzahl der Trompeter, der Hofmetzger, der Kanzleischreiber für Herzog Ferdinand und der Transport von Plunder- und Kammerwägen. Der Quartiermeiser Wilhelm Maier wurde wegen der Unterkünfte und des Proviantes nach Wien vorausgeschickt, wobei ihm der kaiserliche Quar17) BHStA/GHA KA 597/X fol. 189f.: 1572 August Schloß Isareck, nicht ausgefertigte, verbesserte Reinschrift. 18) Nach Berndt Ph. Baader, Der bayerische Renaissancehof Herzog Wilhelms V. 1568-1579 (Akademische Abhandlungen zur Kulturgeschichte 5,5, Leipzig-Straßburg 1945) 124 kam Renata während der Abwesenheit Wilhelms mit einer Tochter nieder; Christierna wurde jedoch bereits am 23. September 1571 geboren. 19) BHStA Fürstensachen 418/1 fol. 47f.: ein zehn Punkte umfassendes Schreiben von Rammermeister und Hofräten vom 18. August mit Randbemerkungen des Herzogs, dazu ein Memoriale entsprechenden Inhalts; Reinschrift fol. 59f., Konzept fol. 61; vgl. auch Fürstensachen 772g fol. 1:1572 August 21 Landau, Herzog Albrecht an Kammermeister und Hofräte. 20) Auf dem Wasser bzw. auf dem Schiff „sitzen“ ist ein in damaliger Zeit geläufiger und dabei höchst anschaulicher Ausdruck. Die Schiffe waren klein und eng, man konnte nicht viel mehr als auf ihnen sitzen. Dennoch war die Reise zu Wasser schneller und bequemer als diejenige zu Lande. 21) Am Münchner Hof wurde der württembergische Wein mehr geschätzt als der österreichische, wahrscheinlich weil ersterer weniger Säure enthielt; vgl. Wein und Weinwirte im alten München, in: Michael Schattenhofer, Von Kirchen, Kurfürsten und Kaffeesiedern etcetera (München 1974) 369 ff. 22) Im 16. Jahrhundert war das Einbecker Bier ein berühmtes und bevorzugtes Bier. Das Münchner Bier - das Hofbräuhaus wurde erst 1589 gegründet — spielte noch keine große Rolle; vgl. Schattenhofer, Wein und Weinwirte 376f. Herzog Wilhelm schrieb am 22. August an den Kammermeister Zeller, da man noch keine Erläuterungen habe, wie es auf den Schiffen mit den Speisen gehalten werden solle, schicke er ein - leider nicht mehr beiliegendes - Verzeichnis über die von ihm gewünschten Speisen: BHStA Fürstensachen 772g fol. 21 66