Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
BURKERT, Günther R.: Die Reise österreichischer Gesandter an den Hof Karls V. im Jahre 1519. Die bisherige Forschung und der Bericht Trojan von Auerspergs
Günther R. Burkert er wisse, das der doctor mit ainer lateinischen Werbung geschikt seye, dan er innlangst gepettn und vermant, hette sich damit versehen, dar- umb gab er sein stimb auf in. Der von Storenberg sagt, ess were ye und ye sein maynung gewest, das die Werbung latheinisch beschehe und west auch tschwischn [!] unser kein geschiktern dartzue dan den doctor. Sil[ber]berger sagt bey seinen pflichtn, ess wer das, und dieweil herr Sigmundt nit dartzue versehen were, so geviel im der doctor gantz woll dartzue. Doctor sagt, ess wor nit so liederlich, ab eine Zaun zu prechn49), er hette noch zu Wien ain copey gemacht, die hette er vor dreyn tagen angesehen, er wolle gern vleiss haben. Herr Jorg ward nit entgegn. Aber zu mitternacht kam uns die anthburt von dem marggra- ven50) in der lautw): Und do die von Steyer den andern aller maynung wie vor ertzelt ist und darnach solichs schreibn ansehen, muessen also stilschweigund darein hellen, und wiewoll aigentlich mer dan ain mall beschlossen ist worden durch uns all miteinander, das man den, der die Werbung thuen soll vor unser höre, dieselb Werbung mit unser aller willen und wissen gemacht werden soll, das ward das mall nit beschehn, sonder unverhort thet der doctor dy Werbung laut der copeyen*). Doy) wir für den konig kamen in gegnburt vili furstn, graffen und herrn auss villerley landen, emphieng uns Ir Runigliche Maiestet steundt, wolt im die hendt nach hispanischem sitten nit küssen lassen. Also hueb an der doctor Sübenburger die Werbung in latéin zu thuen. Nachdem2) liess die Runigliche Maiestet durch den obristn cantzier51) uns gnedige anthbort geben mit vili gnedign wortten und erpiettn. Under andern liess Ir Maiestet antzaign, Ir Maiestet welle sich freuntlich und bruederlich mit Irer Maiestet brueder halten: ess wern tzben [= zwen] leib und ain seile52) und werd kein taillung tschwischn[!] ine. Zum andern zaigt der cantzier an, Ir Maiestet wurde uns zeit und stat benennen, die andern gethanen bevelh zu emphahn, und giengn also 49) Aus dem Stegreif eine Rede halten, improvisieren. 50) 1519 November 5, Molina de Rey, Schreiben des Markgrafen Johann von Brandenburg; Abschrift in Schuber 156 (alt 98), Archiv der Krainer Stände, Slowenisches Staatsarchiv, Laibach. w) im Orig.anschließend Hand 3: nota: alda die abschrifft. x) im Orig.anschließend Hand 3: nota: die ist nit vorhanden. y) Hand 4: khönigliche audienz stehendt. z) Hand 3: dero antwortt durch den canczler. 51) Mercurius Gattinara, Großkanzler Karls V. 52) Dies dürfte die früheste Formulierung auf deutsch sein; Auersperg muß dieser Vergleich allerdings von Schnitzenpaumer mitgeteilt worden sein, da er selbst an dieser Audienz nicht teilnahm. 56