Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
BURKERT, Günther R.: Die Reise österreichischer Gesandter an den Hof Karls V. im Jahre 1519. Die bisherige Forschung und der Bericht Trojan von Auerspergs
Reise österreichischer Gesandter an den Hof Karls V. same Gesprächsbasis gehabt hätten. Die Versuche, ein geschlossenes Auftreten vor Karl zu erreichen, waren fehlgeschlagen und damit wohl auch die Intention der Gesandtschaft - wie sie in Bruck a. d. Mur formuliert worden war. Karls Räte hatten daran einen wesentlichen Anteil23). Auch diesmal trennten sich die Wege in Verona, wobei die Österreicher unter der Enns mit den Österreichern ob der Enns mitgingen. Dies ist deshalb auffallend, weil bei der Gesandtschaft nach Spanien die Vertreter aus Österreich unter der Enns schon ab Villach dabei waren. Der Versuch, die anderen Gesandtschaften auf dem Weg durch Italien auf ihre wohl revolutionärere Sicht der Dinge einzuschwören, schlug aber trotzdem fehl. Die enge Verbindung der Österreicher ob und unter der Enns mußte für die anderen Gesandten spätestens am 9. November 1519 offenkundig werden, als die Gesandten dieser beiden Länder gemeinsam mehrere Schriften, in denen sie nur ihre Meinung darlegten, Karl überreichten. Die Trennung der Wege auf der Rückreise hat somit durchaus auch symbolische Bedeutung. Natürlich dürfte auch die Beschleunigung der Reise durch eine Fahrt auf den Flüssen, die wegen der schlechten Straßen und den oft müden Pferden sehr beliebt war, diesen Weg mitbestimmt haben. Es liegt die Vermutung nahe, daß die Österreicher ob und unter der Enns auf Salzach, Inn und Donau nach Linz und Wien gefahren sind. Geht man von den Grundsätzen der Itinerarforschung aus24), so ist in diesem Zusammenhang auch die Frage interessant, welche Orte aufgesucht und wo die Gesandten bewirtet wurden, von wem sie außerdem noch Reiseproviant erhielten, wie also diese Gesandtschaft von den bereisten Herrschaften eingeschätzt wurde. Die vorliegenden Berichte 23) Für die Erleichterung auf landesfürstlicher Seite spricht auch ein Dokument des Augsburger Regiments. Dieses hatte in seinem Brief vom 10. Jänner 1520 Karl gebeten, er möge den Österreichern unter der Enns befehlen, die Erbhuldigung zu leisten. Es existiere nämlich ein Schreiben der Gesandten aus Österreich unter der Enns an die entsendenden Stände, in dem diese aufgefordert werden, keinesfalls die Erbhuldigung vor ihrer Rückkunft zu leisten, da sie „in kurtzem mit gutem beschaid abgefertigt wurden“. Das Augsburger Regiment hatte daraufhin gefunden, daß die Österreicher unter der Enns „nit allain ungehorsam und rebellen sein, sonder auch crimen lese mayestatis begeen“. Dem zur Absendung fertigen Brief wurde nun ein „post scripta“ angehängt, in dem das Augsburger Regiment Karl die Versicherung abgibt, „wir wellen die land von Euer Mayestet wegen in guter gehorsame behalten“. Dieser Stimmungsumschwung der Regimentsräte muß die Folge eines Berichtes vom Hof Karls über den Ausgang der Verhandlungen mit der Gesandtschaft gewesen sein. Darin dürfte die Isolierung der Österreicher unter der Enns zum Ausdruck gekommen sein; 1520 Jänner 10, Augsburg, P. A. 389, Staatsarchiv Marburg an der Lahn-, für den Hinweis auf dieses Archiv hat der Verfasser Frau Dr. Christiane Thomas zu danken. 24) Ferdinand Opll, Das Itinerar Kaiser Friedrich Barbarossas (1112-1190) (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters 1) Wien-Köln-Graz 1986) 1-7. 41