Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
BURKERT, Günther R.: Die Reise österreichischer Gesandter an den Hof Karls V. im Jahre 1519. Die bisherige Forschung und der Bericht Trojan von Auerspergs
Günther R. Burkert Herbersteins, Siebenbürgers und Auerspergs zeigen vor allem die großen Empfänge für die Gesandtschaft in Tarvis (durch den Gubernator), Venedig, Rom und Neapel. Die gewährte Gastfreundschaft hatte natürlich ausschließlich politische Gründe: Vor allem der Doge von Venedig nützte die Gelegenheit, um seine freundliche Haltung gegenüber dem Reich zu demonstrieren. So weiß Sanuto zu berichten, daß es beim Empfang zu gegenseitigen Ehrbezeigungen gekommen sei, die - wie üblich - lateinisch ausgetauscht wurden23). Das anschließende Festbankett in der „hostaria del Lion biancho“ zu Ehren der Gesandtschaft stellte diese kaiserlichen Gesandtschaften völlig gleich. In Padua wurden die Gesandten vom Gubernator empfangen, in ßolo- gna vom Rektor der Universität, in Rom erhielten sie von Papst Leo X. eine Audienz, bei der sich dieser sehr wohlwollend über die österreichischen Erbländer äußerte. Fabricio de Colonna begrüßte sie selbst vor den Toren Neapels, wo die österreichischen Gesandten im Haus des Vizekönigs von Neapel, Lodovico da Montalto, untergebracht wurden25 26). Ihr Wunsch nach einem für ihre Sicherheit auf der Seereise sorgenden Kriegsschiff wurde allerdings vom Vizekönig abgelehnt27). Neben diesen ehrenden Empfängen erhielten die Gesandten auch Geschenke. So bekamen sie Nahrung, große Mengen Weins, aber auch Geld mit auf den Weg. Diese Geschenke waren zur Aufbesserung des Reisebudgets durchaus willkommen, mußten doch die Gesandten ihre Reise selbst vorfinanzieren und konnten diese erst bei der Rückkunft abrechnen. Allerdings hatten sich bei dieser Gesandtschaft die Stände der einzelnen Länder verpflichten müssen, für die Kosten der Reise und allfällige Schäden aufzukommen28). Für die Gesandtschaft kamen daher nur vermögende Teilnehmer in Frage, die über feste Einkünfte verfügten, um sich ihre Reise finanzieren zu können. Wie sehr sich sogar die beiden reich begüterten steirischen Gesandten bei den Kosten verschätzt hatten, zeigt ihre Darlehensaufnahme bei den Fuggern zur Deckung der Rückreisekosten29). Die Venezianer schickten aber auch Nachrichten über die Gesandtschaft nach Mailand und Frankreich und legten eine Liste der Namen der Gesandten bei30). Dies mag durchaus 25) Sanuto, I Diarii 27 437. 26) Sanuto, I Diarii 27 590. 27) Sanuto, I Diarii 27 627. 28) Vgl. für Österreich ob der Enns Valentin Prevenhueber, Annales Styrenses, samt dessen übrigen Historisch- und Genealogischen Schriften... (Nürnberg 1740) 211 und für die Steiermark Muchar, Geschichte 8 284. 29) 1519 Dezember 17, Molina de Rey; Schuber 651, Landschaftliches Archiv, Steiermärkisches Landesarchiv Graz. 30) Sanuto, I Diarii 27 582. 42