Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)

BURKERT, Günther R.: Die Reise österreichischer Gesandter an den Hof Karls V. im Jahre 1519. Die bisherige Forschung und der Bericht Trojan von Auerspergs

Günther R. Burkert Pferden unterwegs waren20). Die Gesamtzahl von 114 Pferden bedeu­tete eine durchaus beachtenswerte Zahl. Bedenkt man, daß zu dieser Zeit im italienischen Raum 30-40 köpfige Missionen als mittelgroß ge­wertet wurden21), so galt die Gesandtschaft der österreichische Erblän­der durchaus als groß. Die gemeinsame Reise währte nicht einmal bis Bologna. Entgegen den Beschlüssen der Gesandten reisten etwa Siebenbürger und Silberberg in der Nacht weiter, um nicht in das gemeinsame Quartier zu müssen: Ein Zeichen für die enge Zusammenarbeit der Kärntner und Österrei­cher unter der Enns. Ungnad und Aspan wurden mit dem Schiff nach Neapel gebracht, wobei neben körperlichen Gebrechen wohl auch der übermäßige Alkoholgenuß während dieser Gesandtschaftsreise seine Wirkung gezeigt haben dürfte. In diesem Punkt decken sich nämlich die Berichte Auerspergs und Herbersteins völlig. Bei diesem hohen Grad an Alkoholisierung22) nimmt es fast wunder, daß die Gesandten nicht auch noch handgreiflich aneinander gerieten. Bei den Streitge­sprächen zwischen den Gesandten der einzelnen Länder sollte dieser häufige Rauschzustand jedenfalls nicht außer Acht gelassen werden. Zu einer Steigerung der ohnehin gereizten Stimmung dürfte er jedenfalls beigetragen haben. Die Abneigung Hans Ungnads gegen eine weitere Schiffsreise - Aspan starb ja in Neapel - , die seine ohnehin schon angegriffenen Magenner­ven noch weiter strapazierte, dürfte auch Auersperg bewogen haben, den Landweg zu nehmen. Auersperg berichtet jedenfalls, daß dieses ständige Feiern den Gesandten „in den schiffen zu grosser notturfft kumen“ wäre (fol. dr). Beide müssen sich zu diesem Zeitpunkt im kla­ren darüber gewesen sein, daß sie die Audienz bei Karl versäumen würden. Die endlose Schiffsreise, die den anderen Gesandten bevorste­hen sollte, war zu diesem Zeitpunkt keinesfalls absehbar. Den Heimweg legte die Gesandtschaft - im Gegensatz zur Reise nach Spanien - in größter Eile zurück. Zu weit hatten sich die Gesandten in Molina de Rey voneinander getrennt, als daß sie jetzt noch eine gemein­20) 1519 Juni 30, Treviso; Sanuto, I Diarii 27 426ff. 21) Picard, Gesandtschaftswesen 63. 22) Das „Zutrinken“ und die Gotteslästerung waren im Adel weit verbreitet. So grün­dete Siegmund von Dietrichstein 1517 eine adelige Bruderschaft des Heiligen Christo- phorus. Sie war der einzige Mäßigkeitsorden, der nicht von einem regierenden Fürsten gegründet wurde. Allerdings ließ sich die Trunksucht des Adels durch diese Gesellschaft auch nicht beeinflussen. Im Zuge der Reformation verlor die Bruderschaft bald an Be­deutung; Konrad von Moltke, Siegmund von Dietrichstein. Die Anfänge ständischer Insti­tutionen und das Eindringen des Protestantismus in die Steiermark zur Zeit Maximi­lians I. und Ferdinands I. (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 2/9), Göttingen 1970) 166f. 40

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