Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)

PERGER, Richard: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 und seine Folgen

Richard Perger pflichtt, so er in marggraf Ernnsten endtschid gethan, gelediget sey“, bedeutete nichts anderes als das Ausscheiden Hausmannstetters aus dem Regiment der niederösterreichischen Lande. Nur als Mitglied der Prälatenkurie der Landstände Österreichs unter der Enns und als gele­gentlicher Emissär des Monarchen blieb er weiter politisch tätig83). Die Verwaltung des Stifts mußte er selbst übernehmen, der treue Christoph Lamprechtshauser stand ihm nun als „Rentmeister“ zur Seite84). Kaiser Maximilian I. hatte seine Verfügung vom 12. März 1514 aus­drücklich als Provisorium bezeichnet, vor endgültiger Schlichtung des Konflikts sollten beide Streitparteien nochmals gehört werden. Am 18. Mai 1514 reisten der Propst, zwölf Chorherren, der Kaplan und je vier Diener des Propstes und der Chorherren, insgesamt 22 Personen, mit sechs Pferden, also in großen Kutschen, von Klosterneuburg zum kaiserlichen Hoflager ab 85), das sich damals von Österreich ob der Enns in die Steiermark bewegte86). Die Delegation erreichte zunächst Bruck an der Mur und reiste am l.Juni nach Graz weiter. Von dort richtete Hausmannstetter am 1. Juli 1514 an den Hofkanzler Sernthein einen sorgenerfüllten Brief, der die noch ungebrochene Feindschaft der Chorherren, aber auch die Sprunghaftigkeit Kaiser Maximilians erken­nen läßt: „Kay.Mt. ...hatt mier ainen schrifftlich bevelch zuestellen lassen an Euer Gnaden und meinen hern von Roppelltstain, den ich selbs gernn uberantbuert hab, aber nachmals gar über khuertz durich practikhen der brueder unnd ierer verhelfter ainen andern, dem schrifftlichen widerwärtig, durich mündlich anzaigen entphangen, dermassen lautend, ich sulle mit vier bruedern gen Judenburg khummen, daselbs well Kay. Mt. paiden tailln entliehen abschied geben. Dy andernn brueder sullen all fuer sich haimziechen. Dieweyl dann dy grössten unnd maisten radlfuerer auff dy rais beschaiden unnd noch in dem lannd seindt, ist mein zueflucht und hochtleyssig bett, Euer Gnaden well mitsambt mei­nem gnedigen herrn von Roppoltstain weg fuernemen, damit dermassen mit inen ge- handeldt werdt, das sy zu Prukh oder andern orten verharren bis auff ferrer Kay. Mt. bevelch, wie dann Euer Gnaden vor inen zu Grätz verharren auch bevolchen hatt. Dann solten sy ungestraft! haim khumen, ich wer weder leibs noch lebens sicher, sy wuerden mitsambt andern besterkht, das dy gotser, observantz und das wierdig gotshaus in grunt- lich verderben khäm, auch in andern clostern vil widerwartickait wider di prelaten ersten möcht, als dann solichs clarlich vorhanden ist mit dem brobst von Sand Polten87). Deshalben Euer Gnaden dy hernn von dem regiment geschriben unnd bey der post den 83) Vgl. Anm. 100. 84) Diese Amtsbezeichnung StiAKl. Rb 1/9 fol. 5v, 21. 85) Zu dieser Reise, die insgesamt 500 t. 3 s. 21 d. kostete, StiAKl. Rb 1/9 fol. 23 v und Rb 15/3. Kurz erwähnt bei Ludwig Propst Georg II. 221 Anm.2. 86) Zur Route des Kaisers Kraus Itinerarium 70. 87) Näheres über den hier angedeuteten Zwist im Chorherrenstift St. Pölten konnte ich der bisherigen Literatur nicht entnehmen. Ein Hinweis bei Friedrich Schragl Ge­schichte des Stiftes St. Pölten in Dom und Stift St. Pölten und ihre Kunstschätze, hg. von Heinrich Fasching (St. Pölten-Wien 1985) 37 Anm. 224. 34

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