Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)

PERGER, Richard: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 und seine Folgen

Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 brieff geschikht, des copey sy mier zuestellen lassen, dy ich Euer Gnaden hiemit schikh. Bitt Euer Gnaden in aller unndertanikait well verhelffen, damit das übel an mier oder andern nach verschulden gestrafft werde, von wegen der gerechtikait unnd pesserung auch verhuetung merers ubels.“88) Zu der in Aussicht gestellten Entscheidung in Judenburg kam es nicht; Hausmannstetter und die Chorherren mußten dem Hoflager nach Gmunden folgen, dort weilten sie vom 28. Juli bis 10. August 151489). Man kann sich gut vorstellen, wie der Propst einerseits, seine Gegner im Konvent andererseits den Kaiser zu einem Spruch in ihrem Sinne drängten, auch der Hofkanzler und Emissäre des Regiments dürfen sich beteiligt haben. Das Ergebnis war ein Dekret, das Maximilian am 12. August 1514, also nach Abreise der Klosterneuburger Delegation, in Gmunden ausstellte: „... bekennen, als sich zwischen den ersamen geistlichen unnd unnsern lieben ann- dechtigen Georgen, brobst zu Closterneuburg ains und thechannt und ettlichen anndern des convents des berurten gotzhauss, inen anhenngig, anndersteils, ettwas irrung und zwitrecht gehallten, das wir darauf den partheyen disen abschid, wie hernachvelgt, ge­geben: Also daz der gemelt brobst in der regierung unnd Verwaltung des closters mit aller obrikeit in der gaistlichait unnd weltlicheit zu hanndien und zu administriern, wie ainem brobst und gaistlichen prelaten getzimet, beleiben, desgleichen der thechannt und die anndern conventbrüder obgemelt in das closter in den stannd unnd wesen der geistlicheit irem orden und regei gemess körnen unnd dem brobst an der regierung und Verwaltung kainerley hinderung oder eintrag tun, sonnder daran genntzlichen ungeirrt lassen unnd ime in allen Sachen, wi conventsbrudern gegen irem obern gebürt, gehor­sam sein, sich auch verrer wider in nit embören, dartzu kainer regierung, Verwaltung, administracion oder hanndlung unndersteen, sonnder also in gutem willen, friden und ainigkeit leben unnd dem gotzdienst mit singen und lesen ordenlichen auswarten und verbringen sollen, wie geistlichen leuten getzimet und gepurt, und daz kainer aus dem convent zu kainem weltlichen ambt, weder ynner noch ausserhalb des closters, nit fur- genomen oder gebraucht, sonnder alwegen durch den brobst mit weltlichen personell nach notdrufft und nutz des gotzhauss besetzt werden. Unnd damit solchs dest ordennli- cher und bass gehalten werde, so sol des gotzhauss hofrichter gegenwurtiger unnd kunffliger biss auf unnser wolgevallen unns auch geschworen sein, dergestalt, das er sein getreu aufsehen auf den brobst, techannt und conventbrüder, auch die administra­cion, regierung und Verwaltung des gotzhauss und alle annder hanndlung, desgleichen den gotzdiennst haben[l], damit das alles löblich unnd ordennlich gehallten werde. Und ob an solicher regierung, Verwaltung, dem gotzdiennst oder annderm ainicher manngel erfunden, oder das sich der thechant und die conventbrueder nit gaistlich oder irer regei gemess halten oder dem brobt nit gehorsam weren, so sollen die gemelten richter inen solchs unndersagen; und wo daz nit helffe, solchs furter an unns gelanngen lassen. Es sol auch der brobst und sein ambtleut irer hanndlung jerlich in beiwesen zwaier unnser regennten aus unnserm regimennt, so unnser stathalter unnd regennten zu Wienn aus inen dartzue verordnen werden, desgleichen des hofrichters unnd zwayer brúder des convents, wie von alter herkomen, raittung genomen werden. Und ob sich über disen unnsern entschaid von dem techannt oder den conventbrudern ainicherlay Unordnung, widerwertigkeit, emporung oder annders, daz wider disen entschid, ir regei oder orden 88) StiAKl. Karton Briefe Hausmannstetter und anderer Pröpste. 89) Siehe Anm. 85. 35

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