Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)

PERGER, Richard: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 und seine Folgen

Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 Unns an Euch merckhlich misfallet und fürder zu gedulden nit gemaint ist. Nu fuegen wir Euch zu vernemen, daz Wir auf die obberurten payder tail entschid fürgenomen haben, die Sachen für Unns zu fordern und gstalt und herkhumen derselben persöndlich grüntlich zu erfaren und zu verhören und darauf Ordnung zu geben, wie es hinfür aller ding von ainem prelaten auch Euch all zeit gehalten werden sol, als Ir durch Unnser verrer brief, so desthalben an den brobst auch Euch ausgeen, vernemen werdet. Und emphelhen Euch demnach mit ernnst und sonnderm vleiss gepietend und wellen, das Ir Euch der obangetzaygten Eurer bisheer geübten geferlichen und ungepürlichen hannd- lungen mit Worten, practicken und taten haimlich und offenlich in alweg abtuet masset, in friden und rue lebet und aller Sachen guetlich stillsteet, dem brobst wie Euch gepürt gehorsam beweiset; deßgleichen er sich gegen Euch in väterlichem gutem willen halten sol, alles bis auf berurte Unnser efforderung und hanndlung. Und nachdem Wir payder- lay obangezaygt abschid, nemlich Unnsers oheims marggrafen und Unnsers regiments gesehen und vernomen haben, ist Unns gemaint, das mittler zeit berürter Unnser erfor- derung und hanndlung Unnser rat der brobst bey der administracion und Verwaltung des gotshaus pleybe, seiner pflichtt, so er in marggraf Ernnsten endtschid gethan, gelediget sey, auch annder Sachen gehalten werden nach innhaltt des enndtschids von Unnserm regiment gegeben in ansehung, das derselb auf Euer und des gotshauss regi fundiert, dartzue sin kurtze zeit bis zu Unnser selbs hanndlung ist, dardurch mittler zeit der gotsdienst und geistlich Ordnung gehalten und volpracht werdt. Das wolten Wir Euch unverkhündt nit lassen. Hierauf wellet Euch haimlich noch öffenlich khains wegs wider- werttig noch ungerhorsam geweisen, dardurch dergleichen hanndlung von Euch nit mer gespürt noch Euch weiter unglimpfen zuegemessen, noch Wir bewegt werden, annder gstalt mit straff in die Sachen zu sehen. Dann Unns nit gemaint ist umb Eures Unwillen und Unordnung willen, ditz Unnser löblich gotshaus in Zerrüttung und verderben, so im daraus volgen mag, wachssen zu lassen... “80) Am 27. März 1514 wurden die Städte Wien und Klosterneuburg durch je ein „Generale“ sinngemäß unterrichtet und angewiesen, „das Ir Euch der gemelten techannt und convent inmassen und wie hievor begriffen, mit rat, hilff und tat genntzlich entsiahet“; das Regiment sei verhalten, „bey allen welltlichen zu verfuegen, damit sy dem techannt und convennt irer ungebürli- chen geferlichen hanndlungen und fürnemben hinfür nit anhenngen, gehelfen, noch inen darinn rat, fürdrung noch hilff beweisen, sonder sich ir miiessigen, sy in frid und gehorsam gegen dem obgenanten brobst leben lassen“81). Man ersieht aus diesen Schriftstücken, wie sehr der Aufruhr im Stift Klosterneuburg Rückhalt in bürgerlichen Kreisen, aber auch bei Welt­geistlichen gefunden hatte. Die entscheidende Bedeutung des kaiserli­chen Schreibens vom 12. März 1514, das der Propst bei seiner Ankunft im Stift am 6. April vorfand, lag darin, daß es den Spruch des Markgra­fen Ernst vom 18. Juli 1513 kassierte und die Regelung, die das Regi­ment vorher getroffen hatte82), wieder in Kraft setzte. Daß der Propst „bey der administracion und Verwaltung des gotshaus pleybe, seiner 80) StiAKl. Karton 70 fol. 96 n. 73. 81) HKA Gedenkbuch 18 fol.248rv (alt 195rv). 82) Siehe oben S.27 und 29 mit Anm.54 und 64. 33

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