Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)
PERGER, Richard: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 und seine Folgen
Richard Perger päpstlichem Auftrag77). Da wie dort scheint es zu einer Schlichtung gekommen zu sein. Anfang 1514 folgten Vertreter der Landstände Österreichs unter der Enns, darunter Hausmannstetter namens der Prälaten, einer Einladung zu Besprechungen mit dem Kaiser, der damals in Tirol weilte. Am 9. Januar 1514 brach der Propst von Klosterneuburg auf. Die Reisekosten wurden von den Ständen bezahlt, für seinen Kaplan mußte er selbst aufkommen, auch sein Bruder Ruprecht Hausmannstetter reiste mit. Vom 25. Januar bis 14. Februar 1514 hielt man sich am kaiserlichen Hoflager in Schwaz auf - Hausmanstetter konnte dort erstmals dem Monarchen persönlich über die Verhältnisse im Stift Klosterneuburg berichten - dann begann die Heimreise78). Auch der Kaiser wandte sich langsam ostwärts, erstmals nach langer Zeit besuchte er wieder die östlichen Erbländer79). Von Linz aus richtete er am 12. März 1514 an Dechant und Konvent des Stiftes Klosterneuburg ein Schreiben, das nicht nur eine scharfe Mahnung, sondern auch vorläufige Verfügungen zur Beilegung des Konflikts enthielt: „Wiewohl Verschiener zeit in der irrung und beschwerungen zwischen dem ersamen geistlichen Unnsern lieben andechtigen N., Brobst des gemelten gotshaus, Unnserm rat an einem und Euer annders tails erstlich durch Unnser stathalter, regennten und rete Unnsers regiments der nyderösterreichischen lannde, auch nachvolgend durch Unnsern lieben oheim und fürsten marggraf Ernnsten zu Baden vil gehanndelt und nemlich zwayerlay entschid gemacht und aufgericht sein, wie es bis auf Unnser weiter ansehen und Ordnung gehalten werden sol, so gelangt Unns doch an, wie Ir Euch die zeit heer und sonnderlich ytzt in abwesen des brobsts, als der in Unnsern geschefften bey Unns gewest ist, etlicher gewalttiger geferlicher fürnemen und hanndlung unnderstannden und nemlich ainen sliisel von ainem des brobsts diener zuwegen pracht, damit ain versperts thür bey der prelaturzymer zu eingang ains kellers geöffnet, euers gefallens wein aus demselben kheller genomen, über daz euch ander zimlich wein zu Eur Unn- derhaltung in sonndern kellern verordent sein, sich auch Eur etlich geferlicher wort merckhen lassen, dartzue bey etlichen layen, priestern, auch inwonern der statt und anndern beywonung gehabt, ratslag gesuecht, Schriften aufgericht und potschafften hin und wider gesandt, auch etlich personen, so die irrungen Ursachen und Euch in Euren fürnemen besterkhen, im gotshaus enthalten und dieselben in iren wonungen besuecht und vil hanndlung mit inen gehabt haben und villeicht das und dergleichen noch üben sollet, alls zu conspiracion und den Sachen zu weyter irrung, Zerrüttung, auch zu nach- tail und verderben des wirdigen gotshaus an geistlichem und zeitlichem dienend; daz 77) StiAKl. Urkunde 1514 Juni 16; zit. bei Ludwig Propst GeorgII. 220 Anm. 1. Theodor Wiedemann Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Lande unter der Enns 5 (Prag-Leipzig 1886) 504 n. 50 gibt ohne Quellenzitat an, daß Prenner schon am 1. Februar 1514 als Offizial zurückgetreten sei; danach Krick Domstift Passau 218. Nach den bei Göhler Wiener Domkapitel 458f. Anm. 12 und 18 zitierten Belegen ist Prenner jedoch noch 1517 und 1518 als Offizial nachweisbar. 78) Details über diese Reise StiAKl. Rb 15/1, 15/2a, 15/2b. Siehe auch Ludwig Propst Georg II. 221 Anm. 2. 79) Kraus Itinerarium 68f. 32