Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)
PERGER, Richard: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 und seine Folgen
Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 den Propst von Klosterneuburg aller Weinvorräte beraubt hatte, sodaß in diesem Jahr die übliche Weinsendung an den Hofkanzler unterbleiben mußte; dazu bemerkte Saurer: „Bin mein tag bey vili hanndlung gewesen, aber die Sachen seint seltzam zu horn“73). Diesen fortgesetzten Beschwerden konnte sich der Kaiser nicht verschließen. Markgraf Ernst wurde von seinem Amt als oberster Hauptmann des niederösterreichischen Regiments entbunden. Noch vor dem 13. Dezember 1513 kam es zur Bestellung des Nachfolgers: Es war Georg Freiherr von Rottal, einer der bisherigen Regenten, der mit den Verhältnissen in den östlichen Erbländern bestens vertraut war74). Saurer, Schneidpöck und Genossen mögen aufgeatmet haben. Im Stift Klosterneuburg aber war durch den Machtspruch des Markgrafen vom 18. Juli 1513 die Ruhe nur äußerlich wiederhergestellt worden; die Mehrheit des Konvents blieb dem Propst feindlich gesinnt, wie der Kaiser entscheiden würde, wußte niemand. Hausmannstetter mußte sich nun auch gegen Intrigen und An würfe aus dem Weltklerus wehren. Dem Bischof von Passau schrieb er am 27. Oktober 1513 in höchster Aufregung: „Gnediger herr, ich bin ainer doctor Johannsen Räbler practicen glaublich bericht, wie er zu Rom auff etlich abtey und brobstey baider bistumb Saltzburg und Bassau daussent ducaten reservirt unnd die brobstey Closterneuburg zu seiner chorherrn pfrundt ze Bassau zu vniern erlangt sol haben.“ Er, Hausmannstetter, müsse sich gegen ein solches Vorgehen, das durch keinen Urteilsspruch gedeckt sei, entschieden verwahren, auch würde seine Enthebung als Propst gegen die Stiftsprivilegien verstoßen und dem Ansehen des Erzbistums Salzburg und des Bistums Passau zum Nachteil gereichen, der Bischof möge ihm helfen. Auch der bischöfliche Kanzler und das Passauer Domkapitel wurden um Intervention gebeten75). Hausmannstetter blieb Propst, - ob mit Passaus Hilfe, ist nicht bekannt. Bei Papst Leo X. beschwerte er sich über „graves iniurias“ des Wiener Domherrn Primus Bernecker und des passauischen Offizials in Österreich, Dr. Georg Prenner. In ersterem Fall betraute Leo X. am 1. November 1513 den Propst des Wiener Chorherrenstiftes St. Dorothea mit der Untersuchung76) im zweiten Fall amtierte Dr. Dominicus Jacobotius in 73) Ebenda fol. 46. 74) Am 13. Dezember 1513 steht er als „Landhofmeister“ bereits an der Spitze des Regiments; s. HHStA Maximiliana 30 (November-Dezember 1513) fol. 165. 75) StiAKl. Karton 108 fol. 21 n. 3. 76) StiAKl. Urkunde 1513 November 1. Zu Bernecker Göhler Wiener Domkapitel 442 ff. n. 378. Uiblein Akten 2 694; ferner ders. Dr. Georg Läntsch von Ellingen, Domherr und Professor in Wien in Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich N. F. 40 (1974) 75 f. 31