Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)

PERGER, Richard: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg 1513 und seine Folgen

Richard Perger ger auf, über den Zweck der Reise hüllte er sich in Schweigen. Saurer äußerte sich darüber zu Sernthein: „Fueg ich Euer Gnaden zu vernemen, das sein fürstliche Gnaden morgen widerumben von hie hinauf zu ziechen willens, nit wais ich aus was Ursachen; so sein FL Gn. hierwi­der kumen soll, bin ich der hoffnung villeicht mit guettem glimph zu handeln, wais E. G. bas dan ich zu bewegen... “67) Man hielt es also für möglich, daß der Markgraf nicht mehr zurückkam. Weitaus massiver äußerte sich der Regimentskanzler Dr. Schneidpöck in einem gesonderten Schreiben an den Hofkanzler vom 18. Juli: „Des margraffen handlung dermassen zu gedulden wer mir nicht zu verantwurten, dann ich alain der Kayserlichen Mtt. als meinem hernn und landtfürsten gelobt. Mag in für meinen genedigen hernn leyden, aber nicht das ich im verbunden sey, dann ich hab all mein tag nye gedacht, einen margraffen für meinen hernn zu erkhennen oder im zu dienen... “, er bitte um besonderen ßefehl, „das ich wisse, was ich in dem ambt meiner Verwaltung thayn oder lassenn sehol, dann ich merckh nicht annderst, er wil gleich herunden seyn, als ob Kay. Mt. selbst hye wer. Nun khan ich es dermassenn in mein gemüett nicht bringen, was mir Kay. Mt. zu thayn bevelcht, damit ich in dem ambt meiner Verwesung nicht verkhlaynt oder geschimpht werde... “68) Am 27.August 1513 stieß noch Saurer nach: „Verrer schreibt mir Eur Gnad von meinem gnedign herren marggraf Ernstn von Badn wegen das Eur Gnad, ab dem unlust, so sein genad mit meinen gnedigen herrn von dem regiment unnd anndern gemacht, kain gefallen tregt, wan solichs für Kay. Mt. lannd unnd leuten nicht ist, unnd wie Eur Gnad das Kay. Mt. angezaigt, unnd wo Eur Genad persönlich zu lrer Mt. körnen wirdet, gruntlich berichten weit, damit Ir Kay. Mt. Wendung darinnen thu. Hab vormalln Eur Gnad geschriben unnd anzaigt, das ich sein fürstlich gnad meinenthalben wol leiden mug; wo es für Kay. Mt. lannd unnd leut, des ich unge- zweiflt bin, sein fürstlich gnad wol regiem wirdet, das alles Eur Gnad pas dann ich zu bewegen wissen. Eur Gnad ist ongezweiflt allerlay sachenn unnd redn, so wir zu Aug- spurg miteinander getan haben, wol ingedennckh. Ich wolt nur gern, das alle sachenn Kay. Mt. lannden unnd leuten mit treuen und ainigkait gehanndlt wurden... “69) Am 7. September 1513 versprach Sernthein, die eben eingelangte ße- schwerde des gesamten Regiments über den Markgrafen ehestens dem Kaiser vorzulegen70). Am 24. Oktober bat Schneidpöck den Hofkanzler dringend, die Enthebung des Markgrafen zu bewirken, andernfalls würde es zu völliger Zerrüttung im Regiment kommen71), ßriefen Sau- rers vom 15. und 24. Oktober72) ist zu entnehmen, daß Ernst von Raden 67) HHStA Maximiliana 29 (Juli-August 1513) fol. 57-62v. 68) TLA Maximiliana XIII/256/IX fol. 53-56v. 69) HHStA Maximiliana 29 (Juli-August 1513) fol. 134v. 70) Ebenda (September 1513) fol. 37v. 71) HHStA Maximiliana 30 (Oktober 1513) fol. 96v-96v. 72) Ebenda fol. 45v—48v, 94-95v. 30

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