Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)
AGSTNER, Rudolf: Das Hôtel Matignon als k. u. k. Botschaft in Paris 1889–1914
Rudolf Agstner teile mit sich brachte. So mußte im Jahre 1870 Botschafter Richard Fürst Metternich das ihm von der französischen Regierung vermietete Bot- schaftspalais5) plötzlich räumen. Es „war nur der Liebenswürdigkeit der Kaiserin Eugénie zu verdanken, die der Botschaft ein ihr gehöriges Hotel6) überließ, daß die k. u. k. Botschaft damals nicht obdachlos wurde“7). Eine Reihe von Botschaftern unterbreitete angesichts dieser unbefriedigenden Lage immer wieder Vorschläge, ein geeignetes Objekt als Botschaftsgebäude zu erwerben. So schlug 1873 Botschafter Rudolph Graf Apponyi vor, das ehemalige Hotel der Prinzessin Mathilde8), welches um eine Million FYancs9) zur Versteigerung gelangte, zu erwerben10). Zwischen 1881 und 1883 machte Botschafter Friedrich Ferdinand Graf Beust mehrere Vorschläge zum Ankauf eines Botschaftspalais und regte den Erwerb des Hotel de Villars, 118, rue de Grenelle (Kaufpreis 1,5 Mio Fr.), des Hauses 63, rue de Varenne (Kaufpreis 3,5 Mio Fr.) und 7 und 16, rue Tilsitt (Kaufpreis 2,8 Mio Fr.) an11). Am 27. September 1883 wies Botschafter Ladislaus Graf Hoyos12) darauf hin, daß ein Botschaftshotel unbedingt gekauft werden müßte, „damit ein für allemal die immer wiederkehrenden Schwierigkeiten, die k. u. k. Vertretungsbehörde in Frankreich in entsprechender Weise unterzubringen, beseitigt werden“, und erinnerte daran, daß bereits in den sechziger Jahren der Versuch unternommen wurde, durch Tausch des damals von der Botschaft bewohnten Regierungsgebäudes13) gegen ein Terrain in Wien in den Besitz eines Botschaftshotels in Paris zu gelangen. Graf Hoyos: „Während der letzten 15 Jahre (1868-1883) sei der Sitz der Botschaft drei mal gewechselt worden...“ 5) Hotel du Charolais, 101, rue de Grenelle, Paris Vile (1867-1870) - heute Mini- stére de l’Industrie, des P. et T. et du Tourisme. 6) 2, rue de l’Elysée, Paris Vllle; es handelte sich um die Nr. 2 und 6, die später von der „Liquidation de l’ancienne liste civile et du domaine privé“ um 30.000 Francs jährlich gemietet wurden; HHStA, Ges. Archiv Paris Karton 276. 7) Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Administrative Registratur (=HHStA, AR), F 6/68, Bericht Hoyos vom 27. November 1883. 8) 1820-1904, Tochter von Jerome Bonaparte. 9) Die im folgenden erwähnten Beträge in französischen Francs entsprechen kaufkraftmäßig 1987: 1803-1901:20,0 FF; 1904-1910: 15,4 FF; 1911-1913: 13,35 FF; 1917:8,34 FF; 1919: 5,27 FF; 1920: 3,78 FF; 1922: 4,45 FF; 1923: 4,09 FF; 1949: 0,122 FF; Quelle: Rapport de l’I.N.S.E.E. (Paris 1987). 10) HHStA, AR, F6/68, Bericht Apponyi vom 4. Jänner 1873. 11) HHStA, Gesandtschaftsarchiv Paris Karton 276. 12) *25. August 1834 Mauer, f 23. Jänner 1901 Wien. 13) 7-9 rue Las-Cases, Paris Vile; Nr. 7 gemietet von Comte d’Haussonville, Nr. 9 vom Duc de Clermont-Tonnére. 216