Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)

AGSTNER, Rudolf: Das Hôtel Matignon als k. u. k. Botschaft in Paris 1889–1914

Hőtel Matignon als k. u. k. Botschaft In Paris Alle Vorschläge, ein Botschaftsgebäude zu erwerben, in dem nicht nur ein Platz für Amt und Residenz des Botschafters, sondern meist auch für Wohnungen anderer Diplomaten gewesen wäre, und dessen Ankauf - wie die Botschafter durch Berechnungen belegten - sich binnen kürze­ster Zeit amortisiert hätte, scheiterten aber an mangelndem Interesse und fehlenden Mitteln des k.u.k. Ministeriums des Äußern14). Im Jahre 1889 sollte Österreich-Ungarn jedoch in den Besitz des Hotel Matignon (57 Rue de Varenne, Paris Vile), des schönsten Palais des noblen Faubourg Saint-Germain gelangen, welches durch 25 Jahre als k. u. k. Botschaftsgebäude und Residenz des Botschafters diente. II. Das Hotel Matignon und die Familie Galliera Das Hötel Matignon, seit dem 29. Januar 1935 Sitz der Présidence du Conseil und nunmehr des Ministerpräsidenten der Französischen Re­publik, wurde ab 1721 von Jean Courtonne für den vierten Sohn des Herzogs von Luxemburg, Christian-Louis de Montmorency, Herzog von Luxemburg, Prinz von Tingry, erbaut. Dieser verkaufte 1723 das noch im Bau befindliche Palais an Jacques III.de Goyon, Sire de Matignon15) et de la Roche-Guyon, Comte de Thorigny, Gouverneur der Normandie. Nach dessen Tod 1725 läßt sein Sohn Jean Francois Leonor, Gatte der ältesten Tochter des Fürsten von Monaco, den Bau des Hotels zu Ende führen. Obwohl in der Folge unter verschiedenen Bezeichnungen - meist nach dem jeweiligen Eigentümer - bekannt, blieb insbesondere der Name „Matignon“ dem Palais verhaftet. Unter den späteren Besit­zern waren Charles-Maurice de Talleyrand, der das Gebäude 1808 er­warb und 1811 dem französischen Staat verkaufte16). Unter Ludwig XVIII. kam es am 5. März 1815 zu einem Tausch mit dem Palais d’Ely- sée17). 1848 zog General Louis-Eugene Cavaignac, Chef der Exekutiv­gewalt, in das Palais ein, ab 1851 residierte dort M.Baroche, Präsident des Staatsrates des Zweiten Kaiserreiches. Nachdem ein Gesetz vom 22. Januar 185218) die Ausweisung der könig­lichen Familie aus Frankreich und die Beschlagnahme ihrer Güter an­14) In dieser Hinsicht ist seither eine Änderung eingetreten. 1987 befanden sich 32 Amtsgebäude und 47 Residenzen im Staatseigentum, 38 Ämter und 41 Residenzen sind gemietet. Jahrbuch der österr. Außenpolitik - Außenpolitischer Bericht (1987) 337f. 15) Ort im Departement Cotes du Nord, Bretagne. 16) André Castelot Talleyrand ou le cynisme (Paris 1980) 353f. 17) Durch Gesetz vom 22. Jänner 1879 Amtssitz des Präsidenten der Französischen Republik; bereits seit 1873 von Präsident Patrice Mac-Mahon bewohnt. 18) Dekret Präsident Louis-Napoléons vom 22. Jänner 1852 in Le Moniteur Officiel vom 23. Jänner 1852, No. 25,119. Art 1er. Les biens meubles et immeubles qui sont l’objet de la donation faite le 7 aoüt 1830 par le roi Louis-Philippe, sont restitués au domaine de 217

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