Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. (1990)
HEPPNER, Harald: Serbien im Jahre 1889 nach einem Bericht Ludwig von Thallóczy's
Harald Heppner ten keinen Reitz aus. Ohne Zweifel merkte der Renner aus den einzelnen kleinen Details, dass die Stimmung jetzt antiösterreichisch ist. Nicht die Leitartikel und Schmähschriften beweisen dies, denn was sollten den[n] die serbischen Zeitungen sonst schreiben? „Herr, ich bin ebenso kein Feind meines ungarischen Vaterlandes wie Sie“, sagte mir ein hervorragender Journalist, „aber es ist mein Brot, die Monarchie zu schimpfen“. Die Pässe werden schärfer geprüft, die Douane ist lästiger; z. B. die guten Belgrader hatten die Gewo[h]nheit nach Sémiin zu fahren, sich dort billig neu anzuziehen, und die alten Kleider zollfrei mit heim zu bringen. Jetzt werden die Rückkehrenden ausgezogen und die Kleider fest verzollt. Die wiener Volkssänger müssen pro Vorstellung 50 Dinar zahlen, selbstverständlich kommt keiner; serbische und russische zahlen nichts. Russische Volkssänger (die sich bei eingehendem Studium als ungarische und rumänische Israeliten entpuppen) singen überall die russischen Hymnen, werden von den jüngeren Offizieren beklatscht, und das dauert gewöhnlich 14 Tage oder 4 Wochen, dann wird die Douane wieder gemüthlicher und die Russen, dessen [!] Manier - selbst beim Kern-Russen - dem Serben eigentlich zuwider ist, verschwinden. Etwas Leben brachte in die russophile Versumpfung das schon erwähnte Verbot der ungarischen Regierung. Es beweist zwar Nichts, als wie es in den wunderlichen Serbenköpfen widerhallte, das hier beiliegende schlechte Bild des serbischen Witzblattes „Brka“ (Der Schnurbärtige)41). Weniger humoristisch und sehr bescheiden ist das nachstehende Bild, welches die Monarchie als jammernde böhmische Köchin vorstellt42). 41) Ein Zeitungsbild, der serbische Text und eine freie Übersetzung im Original des Berichts eingeschoben: Ustani Marko - nase sunce jarko pet stotina ljeta - dosta se odmara ustani Marko - pa topuzom teskim „pomiluj“ malo - Svabu i Madara. O Marko, Marko werde wach Du schliefst fünfhundert Jahr gemach Nimm’ jetzt - Du unser Hoffnungstrahl _ Die schwere[n] Keil’, den blanken Stahl, liebkose mit denselben zart der Schwaben und Magyaren Bart. 42) Ein Zeitungsbild, der serbische Text und eine freie Übersetzung im Original des Berichtes eingeschoben: Moto: Sto je nekad bilo nase, „opet mora biti nase“. Kamo kruna? Da gotova kruna bude, da se svrsi krunisanje, pet kamena „fale“ sjajni, 166