Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)

SCHÖNFELLNER, Franz: Der Bund als Gesellschafter der WÖK in der Ersten Republik

166 Franz Schönfellner Die Verhandlungen mit den Gastwirten waren kaum weitergekommen, nun wurde sogar ernsthaft die Rückzahlung der letzten Stammkapitalerhöhung diskutiert. Der Hauptverband der Gewerbeverbände Österreichs verlangte die Einstellung der Zuckerbäckerei und die Auflösung des Wirtschaftshofes Baumgarten75). Im Juli 1933 forderte dieses Gremium die Rückführung des Unternehmens auf den Umfang und Charakter einer Volksausspeisung76). Von den 36 Bewilligungen für Filialen mußten 14 zurückgelegt werden, da ihr Betrieb nicht in Einklang mit der Gewerbeordnung stand, sieben oder acht der restlichen Küchen arbeiteten mit Verlust77). Die WÖK brachte ihrerseits stän­dig Gegenvorschläge zu den Forderungen der Gastwirte an, in denen sie etwa anbot, keine neue Filiale zu eröffnen, jede entsprechende Reklame zu stoppen, die Menüs zu Preisen unter S 1,60 anzubieten, sowie die „WÖK-Jause“, die „Wiener Jause“ und den Verkauf von Gefrorenem einzustellen. Die letzten Punkte zielten auf eine Befriedigung der Cafetiers hin, denen auch zugesagt wurde, daß der Verkauf von Zuckerbäckerwaren eingeschränkt werden solle, vor allem sollten keine ganzen Torten mehr im Gassenverkauf angeboten werden. Die Betriebszeiten aller Küchen sollten auf 11—20.30 Uhr begrenzt, der Sonntagsbetrieb drastisch verringert, die zur Bequemlichkeit der Gäste einge­richteten Garderoben nach Möglichkeit aufgelassen werden. Auch der Verkauf einiger Filialen, etwa in der Mariahilferstraße, an Interessenten aus dem Kreise der Gastwirte wurde erwogen78). Für eine Totalauflösung der WÖK sprach nach wie vor die Tatsache, daß die angeblich unter dem Druck von Dr. Motzko durchgeführte Kapitalerhöhung vom staatsfinanziellen Standpunkt nichts einbrachte, da das eingelegte Kapi­tal keinerlei Erträge für den Bund brachte, doch ergaben Revisionen, daß beim momentanen Stand nicht einmal das Stammkapital in voller Höhe ausbezahlt werden könne79). Dr. Petschann war dafür, das Unternehmen nicht „mit einem Schlag zu erschlagen“, sondern vorsichtig zur Liquidation zu führen. Er unterstrich, daß durch die steigende Arbeitslosenzahl die WÖK sozialpolitisch notwendig sei, zudem fürchtete auch er, daß die Gemeinde das Unternehmen durch Vertrauenspersonen erwerben könne. Allerdings seien die Gastwirte schon aus politischen Gründen nicht mehr hinzuhalten, so warnte Dr. Pet­schann in seiner Stellungnahme. Stadtrat Dr. Robert Danneberg wandte sich in einem Schreiben vom 14. Juli 1933 an Finanzminister Dr. Buresch und nahm unter anderem zur WÖK Stellung80). Er sprach davon, daß in „gewissen Gastwirtekreisen“ gegen die WÖK Sturm gelaufen würde und daß sich das Handelsministerium für die Wünsche dieser Kreise einsetze, und bat mit Nachdruck, daß von seiten des Finanzministeriums nichts verfügt werde, ohne daß das Einvernehmen mit der Gemeinde intern hergestellt werde. 75) FA Dept. 23 ZI. 42.183-23/1933, 45.883-23/1933, 49.347-23/1933, 52.090-23/1933. 76) FA Dept. 23 ZI. 49.347-23/1933. 77) FA Dept. 23 ZI. 52.090-23/1933; A.P. ZI. 1.740/1933. 78) Beilage zu FA Dept. 23 35.153-23/1933. 79) FA Dept. 23 ZI. 52.090-23/1933. 8°) FA A.P. ZI. 1.737/1933; Dept. 23 ZI. 1.740-23/1933.

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