Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 39. (1986)

SCHÖNFELLNER, Franz: Der Bund als Gesellschafter der WÖK in der Ersten Republik

Der Bund als Gesellschafter der WÖK 167 VII Die Februarereignisse des Jahres 1934, die Ablösung der sozialdemokratischen Stadtregierung und die Änderung der Stadtverfassung hatten natürlich auch ihre Auswirkungen auf die WÖK. In der Generalversammlung vom 11. Mai 1934 wurden statt der bisherigen Vertreter der Gemeinde Wien zwei neue Personen in den Aufsichtsrat gewählt, im Kurzprotokoll der Versammlung wurde als Grund „Februarereignisse“ in Klammer hinzugefügt81). Auch Prof. Durig schied aus dem Aufsichtsrat aus, er erstellte aber im folgenden Jahr noch einen Prüfungsbericht der WÖK. Ing. Eduard Lasch, der von der Gemeinde schon vor den Februarereignissen in den Aufsichtsrat berufen worden war, wurde nun statt Prof. Fränkel zum Präsidenten bestellt. Auch Dr. Motzko zog sich von der WÖK zurück. An ihrer Stelle wurde Ministerialrat Dr. Columban Vouk, der nun leitender Beamter des Departe­ments 23 war, bestellt. Finanzminister Dr. Buresch hatte dem christlichsozia­len Abgeordneten Leopold Kunschak vorgeschlagen, er solle einen geeigne­ten82) Vertreter nennen, doch Kunschak erteilte ihm eine scharfe Abfuhr: „Wir Wiener legen keinen Wert darauf, im Aufsichtsrat dieses Unternehmens vertre­ten zu sein“83). Da auch Dr. Vouk 1934 aus dem Departement 23 ausschied, wurde nun Sektionsrat Dr. Georg Steinböck an seiner Stelle nominiert. Dabei wurde auf dem entsprechenden Akt vermerkt, daß nach dem Februar 1934 alle drei Vertreter der Gemeinde den Aufsichtsrat verlassen hätten und einer guten Zusammenarbeit mit ihren Nachfolgern nichts im Wege stehe84). Der Bundes­vertreter Dr. Petschann wurde zum Präsidenten für die nächste Periode ge­wählt, da sich beide Gesellschafter für eine alternierende Besetzung des Vorsit­zes im Aufsichtsrat aussprachen. Doch kurz darauf verzichtete das Finanzmi­nisterium auf die Besetzung dieses Postens mit der Begründung, daß die WÖK ausschließlich der Wiener Bevölkerung diene85). Relativ hoch dürfte die Zahl jener Angestellten und Arbeiter gewesen sein, die entlassen werden mußten, weil sie sich für die nun in die Illegalität verdrängte Sozialdemokratische Partei betätigt hatten oder auch nur in einem verwandt­schaftlichen Verhältnis zu ehemaligen Funktionären der Partei standen86), doch vermerkte das Finanzministerium zur entsprechenden Mitteilung der 81) WIGAST Generalversammlungen 1934 Mai 11. 82) Hier wurde im Akt gestrichen: „politischer Funktionär“. 83) FA Dept. 23 ZI. 68.892-23/1933, 2.177-23/1934 (1934 Jänner 2). M) FA Dept. 23 ZI. 71.676-23/1934, 29.741-23/1934, 37.859-23/1934. Der Aufsichts­rat sah am 11. Mai 1934 folgendermaßen aus: Bundesvertreter: Ministerialrat Dr. Anton Petschann (Präsident), Sektionschef a. D. Dr. Wilhelm Degischer und Ministerialrat Dr. Columban Vouk; Gemeindevertreter: Obersenatsrat Karl Hofer (Vizepräsident), Magi­stratsrat Dr. Franz David und Obermagistratsrat Dr. Theodor Eger. Geschäftsführer waren Regierungsrat Hermann Deri (Gemeinde) und Dr. Arthur Mebus (Bund). Noch 1934 wurde Dr. Vouk durch Sektionsrat Dr. Georg Steinböck ersetzt. 85) 1935 wurde daher der Gemeindevertreter Karl Hofer Präsident. 86) Insgesamt wurden mindestens 73 Arbeiter und Angestellte überprüft, unter ande­rem mit den Begründungen: „war am 13. Februar nicht im Dienst, war früher Schutz­bündler, Bruder war früher Gewerkschaftler“ u. a. m.: FA Dept. 23 ZI. 19.485-23/1934.

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