Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)
MIKOLETZKY, Lorenz: Zehnter Internationaler Archivkongreß Bonn 1984
Zehnter Internationaler Archivkongreß Bonn 1984 421 sondern auch gleichermaßen auf die Personalangelegenheiten und die Gesetzeslage einging: Vor allem die Finanzierung bedeutet für Regierungen von Ländern in einer Aufbauphase staatlicher Verwaltung einen „Alptraum“. L. Tan (Singapur) lieferte den Zusatzbeitrag Ein Beispiel für die Ausweitung archivischer Funktionen: Die Sicherung mündlicher Überlieferungen: Mit Hilfe der Oral-History sollten Archivare die vorhandenen Lücken bei den amtlichen Akten zu füllen versuchen, was vor allem für den Bereich der Entwicklungsländer Geltung haben wird, die in den letzten vierzig Jahren entweder ihre Selbständigkeit erhalten haben oder neugeschaffen wurden. Ein Zitat aus diesem Beitrag, das Allgemeingültigkeit besitzt: „Von höchstem Nutzen wäre es, wenn sich Archivare der Herausforderung stellten und das täten, was notwendig ist, auch wenn dies Veränderungen mit sich brächte“! In der zweiten Plenarsitzung fungierte M. Swift (Kanada) als Hauptsprecher. Er setzte sich mit der Nutzung organisatorischer Methoden und technischer Hilfsmittel auseinander. „Das Leben eines Archivars wird in der Gegenwart dadurch erschwert, daß viele von uns unter den Bedingungen einer bürokratischen Organisationsform arbeiten müssen; dabei spielt es keine Rolle, ob man in der unmittelbaren staatlichen Verwaltung, an einer Universität oder bei einer anderen Körperschaft tätig ist. Die Bürokratie belastet den Archivar mit Führungs- und Verwaltungsaufgaben erheblich. Daraus ergibt sich, daß viele von uns nicht mehr ihre gesamte, ja nicht einmal den größten Teil ihrer Arbeitszeit auf archivische Fachaufgaben verwenden können. Wir sind aufgerufen, einen immer größer werdenden Teil unserer Zeit und unserer Mittel einzusetzen, um unserer Rolle als ,Manager' innerhalb einer Organisation gerecht zu werden. Der Archivar als ,Manager' ist ein Aspekt im modernen Archivwesen. ... Alle diese Herausforderungen müssen in einer Zeit gemeistert werden, in der es nicht nur sehr schwer ist, zusätzliche Sachmittel zu erhalten, sondern es vielmehr auf manchen Gebieten als besondere Leistung angesehen wird, den gegenwärtigen Stand an Personal und Sachmitteln für ein Archiv zu halten. Schwierige wirtschaftliche Bedingungen belasten alle Bereiche der Gesellschaft, wobei Archive gerade in dem Augenblick davon berührt werden, in dem sie den Anforderungen einer im Umfang wachsenden und inhaltlich immer komplexeren Überlieferung gerecht werden müssen. Woran sollte sich der Archivar orientieren, um dieser scheinbar unlösbaren Aufgabe Herr zu werden? Ist die Herausforderung überhaupt zu bestehen? Da unsere Ausbildung und unsere Kenntnisse als Archivare uns für eine solche Situation nicht besonders gut vorbereitet haben, halte ich es für ratsam, andere Gebiete menschlicher Erfahrung zu betrachten, um dort Hilfe bei der Bewältigung dieser Herausforderung zu finden ... Vor allem sollten wir die Anwendungsgebiete moderner Organisationsmethoden betrachten, wie sie in der Welt der Wirtschaft entwickelt worden sind, und ihre Anwendbarkeit für moderne archivfachliche Programme prüfen. Zum zweiten sollten wir nach meiner Meinung die Mittel in vol-