Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

MIKOLETZKY, Lorenz: Zehnter Internationaler Archivkongreß Bonn 1984

ZEHNTER INTERNATIONALER ARCHIVKONGRESS BONN 1984 Von Lorenz Mikoletzky Man ist versucht, von einer „Olympiade“ der Archivare zu sprechen, wenn alle vier Jahre der Internationale Archivrat zu einem Kongreß lädt, bei dem Archivarinnen und Archivare aus aller Welt Informationen austau- schen und Probleme beraten, die für den Berufsstand und seine Tätigkeit beinahe überall gleichartig sind. Die zehnte derartige Zusammenkunft fand 1984 in Bonn statt und stand unter dem Generalthema Die Heraus­forderung der Archive — wachsende Aufgaben bei begrenzten Mitteln. Drei Plenarsitzungen setzten sich mit dieser Problematik auseinander, eine Sondersitzung beschäftigte sich mit dem Austausch von Archivalienrepro­duktionen. Dazu kamen noch zahlreiche Fachsitzungen von archivischen Regionalverbänden, Kommissionen, Ausschüssen und Arbeitsgruppen des Internationalen Archivrates, sodaß jedem Kongreßteilnehmer ein sehr brei­tes Fragenspektrum geboten wurde, mit dem er sich zwar teilweise wäh­rend seiner Alltagsarbeit konfrontiert sieht, das jedoch durch den Erfah- rungs- und Meinungsaustausch auf breitester Basis sehr intensiv disku­tiert werden konnte. Schon in den Begrüßungs- und Eröffnungsansprachen klang die Besorgnis über die Zukunft der Archive und die dazu benötigten finanziellen Mittel durch. Sowohl der Vertreter der UNESCO als auch der Präsident des In­ternationalen Archivrates, Carlos Wyffels, stellten diese Frage in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Der Bundesminister des Innern der Bun­desrepublik Deutschland, Friedrich Zimmermann, umriß in seiner Rede das den Archivaren gesetzte Ziel, indem er unter anderem sagte: „Es geht im wesentlichen darum, mit einem Minimum von Dokumenten ein Maximum an Dokumentation der Nachwelt zu hinterlassen. Die Auseinan­dersetzung entzündet sich an der Frage, welche geeigneten Wege zu die­sem Ziel führen. Es gehört zu Ihrer Aufgabe, hier nach der besten Ant­wort zu suchen. Die große Zahl der Dokumente und die unterschiedlichen Überlieferungsarten erleichtern Ihnen die Arbeit nicht: So haben Sie ne­ben den herkömmlichen Überlieferungsarten wie Urkunden, Akten und Amtsbüchern auch moderne Informationsträger wie Bilder, Tonträger, Filme und maschinenlesbare Überlieferungen zu berücksichtigen. Wie so oft wird es auch hier ein Patentrezept nicht geben. Sie werden viele Mög­lichkeiten zu prüfen haben und differenzierte Antworten geben müssen, wie Sie Ihren Pflichten bei wachsenden Aufgaben trotz begrenzter Mittel 27*

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