Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 38. (1985)

SCHMIDL, Erwin A.: Zur Geschichte der k. (u.) k. Konsularvertretungen im südlichen Afrika bis zum Ersten Weltkrieg

270 Erwin A. Schmidl in dieser schwierigen Zeit wurde ihm 1901 der Orden der Eisernen Krone III. Klasse verliehen. Wie alle übrigen k. u. k. Vertreter in Südafrika erfreute sich auch Hirsch eines ausgezeichneten Verhältnisses zu den britischen Behör­den und konnte so für Österreicher und Ungarn oft bedeutsame Erleichterun­gen und Vergünstigungen erwirken. Am 24. Februar 1902 übergab Konsul von Hirsch die Leitung des General­konsulates Kapstadt seinem jüngeren Kollegen Vizekonsul von Ramberg (der übrigens ebenfalls seit 1899 in Südafrika weilte), um sich auf seinen neuen Posten als Leiter des k. u. k. Generalkonsulates Shanghai zu begeben, wo er am 6. Mai ein traf. 1903 wurde ihm der Titel und Charakter eines Generalkon­suls II. Klasse zuerkannt, 1906 der Familie das Führen des Prädikats „von Strohnsdorf“ bewilligt. Generalkonsul Emil Hirsch, Edler von Strohnsdorf, starb am 20. Februar 1908 im Alter von 46 Jahren an einer Blinddarmentzündung und Bauchfelleiterung in Shanghai, als Leiter jenes Amtes, an dem er 22 Jahre zuvor als Consular-Eleve seine Karriere begonnen hatte; er wurde am 22. Februar unter Teilnahme vieler Einwohner sowie aller ausländischen Konsularvertreter, der Offiziere der bei­den k. u. k. Stationäre (S.M.S. „Kaiser Franz Joseph“ und S.M.S. „Leopard“) sowie des Shanghaier Taotais (Bezirkshauptmanns, eines Mandarins vom drit­ten Rang) zur letzten Ruhe gebettet. Emil von Hirsch hatte kurz vor seiner Abreise nach Südafrika in Wien ge­heiratet; bei seinem Tod hinterließ er zwei Kinder. Admin. Reg. F 4/136 Personalia Hirsch; KA Qualifikationslisten Faszikel 1139; Jahrbuch 11. Jg. (1907) 235. Josef Kostanjevic Am 27. Oktober 1869 als Sohn eines Marinebeamten in Pola geboren, wurde er 1891, nach Absolvierung der Triester Infanteriekadettenschule, zum Leutnant im bosnisch-herzegowinischen Infanteriebataillon No. 5 ernannt. 1895 wurde er im Infanterieregiment No. 97 zum Oberleutnant befördert. Seine Dienst­beschreibung war sehr gut, er wurde aber als „leicht reizbar“ geschildert und galt ansonsten als zart gebaut und eher schwächlich. Seine Kenntnis des Serbokroatischen kam ihm später in Südafrika, im Umgang mit den dalmatini­schen und kroatischen Minenarbeitern, sehr zustatten. 1898 bewarb er sich „um Zulassung zur Probepraxis im Kanzleifache bei einer k. u. k. österreichisch-ungarischen Vertretung in Ost-Asien ... Meine specielle Bitte um Zutheilung zum Dienste in Ostasien beruht auf meinem Interesse für jene Länder.“ — Es erübrigt sich, zu ergänzen, daß Kostanjevic nie nach Ostasien geschickt wurde! 1899 trat er in den Konsulardienst ein und wur­de 1901 Kanzleisekretär II. Klasse. Seine Berufung nach Südafrika war seine erste auswärtige Verwendung. Seine wichtige Rolle bei der Erhebung der Schadenersatzansprüche österreichi­scher und ungarischer Staatsbürger wurde bereits erwähnt, ebenso seine Schwierigkeiten mit Baron Ramberg, seinem zeitweiligen Vorgesetzten. Konsul von Lieder hingegen lobte Kostanjevic außerordentlich und schlug den Kanz­leisekretär gar für das Ritterkreuz des Franz Josephs-Ordens vor, was freilich als „sehr verfrüht!“ entrüstet abgelehnt wurde. An den Rand des Antrages schrieb der Sachbearbeiter erbost: „Ist ja ganz ausgeschlossen!“ — Das wäre ja noch schöner, wenn ein Beamter mehr leistete, als seiner Rangklasse zu­kommt! Konstanjevic blieb bis 2. Mai 1907 in Kapstadt: 1907 wurde ihm die Gerenz des k. u. k. Konsulates in Porto Alegre (Brasilien) übertragen, auf welchem Posten er, 1909 zum Konsularkanzleirat und 1918 zum Konsularkanzleidirektor (dem höchsten Rang im Kanzleidienst, einem Konsul der Konzeptsbranche bzw. einem

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