Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 37. (1984)

DUCHHARDT, Heinz: Das Tunisunternehmen Karls V. 1535

38 Heinz Duchhardt natürlich die Frage, warum man so viele Jahre hatte verstreichen lassen, ehe man diesen Auftrag erteilte, dann aber ungeheuer viel Geld investierte und dem künstlerischen Fortgang der Arbeit ein so großes Interesse entgegenbrach­te. Muß die Antwort nicht lauten, daß gerade jetzt, im unmittelbaren Vorfeld der militärischen Auseinandersetzung mit den deutschen Protestanten, der innere Zusammenhang zwischen Tunis und dem bevorstehenden Waffengang gegen den inneren Feind der Christenheit besonders deutlich wurde, 1535 und der bereits abzusehende Sieg über die Schmalkaldener sich als die beiden Eckpfeiler von Karls V. imperialem Gebäude herauskristallisierten? Und dem­entsprechend ist auch eine zweite Episode zu bewerten: Im Spätherbst 1550, als man auf dem Augsburger Reichstag die brisante Frage einer neuen Sukzes­sionsordnung für das Reich beriet, hat Karl V. sich immerhin die Zeit genom­men, den ihm überschickten Entwurf des Tunis-Kapitels der Historien des Paulus Jovius sehr kritisch zu lesen und ein dessen Darstellung in vielen Punkten korrigierendes Schreiben abzufassen, das dem Autor dann übersandt wurde*). Aber mit der - hier nur durch zwei Belege gestützten5) — These, daß Karl V. in der Rückschau dem Tunisuntemehmen offenbar einen besonderen Rang in seiner Gesamtpolitik einräumte, ist die Frage nach dem „Warum?“ natürlich noch nicht beantwortet. Wie haben der Kaiser selbst und seine unmittelbare Umgebung das militärische Vorgehen gegen Hayreddin Barbarossa begründet und motiviert? In einem Schreiben an seinen Gesandten in Frankreich, Hannart, hat Karl V. Gemälde III: Niederländische Schulen. Jan Vermay (Vermayen), Kaiser Karls V. Kriegs­zug gegen Tunis in Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses 2 (1884) 145-152. Zum Schicksal der Gobelins, die erstmals 1554 bei der Hochzeit Philipps II. mit Maria Tudor in London der Öffentlichkeit gezeigt wurden und von denen um 1750 zwei verlorengingen, vgl. den Aufsatz von Antonio Marichalar El Emperador en la conquista de Tunez in Carlos V y su ambiente. Exposiciön homenaje en el IV centenario de su muerte 1558-1958 (Madrid 1958) 45—52. - Soweit die Literatur erkennen läßt, wurden zwar regelmäßig Zeichner auf solche Kriegszüge mitgenommen, die Tunis-Zeichnungen sind aus der ganzen Regierungszeit Karls V. aber die einzigen, die in der geschilderten Weise publikumswirksam, also propagandistisch umgesetzt wurden. Die bei Marichalar El Emperador 46 erwähnten Pavia-Teppiche wurden nicht für den Kaiser angefertigt. *) Vgl. Georg Voigt Die Geschichtschreibung über den Zug Karl’s V. gegen Tunis (1535) in Abhandlungen der philologisch-historischen Classe der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 6 (1874) 163-243, hier 193f. Jovius hat diese Einwände und Korrekturen des Kaisers übrigens in der Druckfassung nur zum geringeren Teil berücksichtigt: vgl. ebd. 234—238. Zu der Kontroverse auch Emile Gachet Expédition de Charles-Quint contre Tunis, en 1535 in Compte-Rendu des séances de la Commission Royale d’Histoire 8 (1844) 7-54, hier 12. 5) Es wäre etwa auch noch daran zu erinnern, daß Karl 1546 aus Regensburg dem Kanzler des Goldenen Vlieses, Nicolas Nicolai, einen spanischen Bericht des portugiesi­schen Infanten übersandte, der den Tuniszug mitgemacht hatte, und ihn dringend bat, seine eigene Darstellung entsprechend zu korrigieren und anzupassen. Das Schreiben bei Auguste Cast an La conquéte de Tunis en 1535 in Mémoire de la Société d' Emulation du Doubs VI/5 (1891) 257-320, hier 307.

Next

/
Oldalképek
Tartalom