Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 37. (1984)

SPIELMAN, Danila Cole – THOMAS, Christiane: Quellen zur Jugend Erzherzog Ferdinands I. in Spanien. Bisher unbekannte Briefe Karls V. an seinen Bruder (1514–1517)

Quellen zur Jugend Erzherzog Ferdinands I. 29 wiedergegeben; b)-b) eigenhändig, vuestro buen hermano fehlt; c)-c) eigenhändig. - Zum ersten Mal taucht hier eine Andeutung über Unstimmigkeiten zwischen F und Ximénez auf, oder zumindest, daß K’s Räte an dergleichen dachten. Der Abgesandte K’s ist Charles de Poupet, Sieur de Lachaulx, einer seiner engsten Ratgeber, der schon von Philipp dem Schönen begünstigt worden war und K’s körperliche Ausbildung leitete. Als führendes Mitglied der frankreichfreundlichen Partei konnte er auf den Kardinal kaum Eindruck machen. Zu seiner Person siehe Walser-Wohlfeil Die spanischen Zentralbe­hörden 130, 132 mit Anm. 10. 9 (Bauer 8) Karl an Ferdinand 1517 September 7. Middelburg. 1. K wurde von verschiedenen Seiten zugetragen, daß Persönlichkeiten aus F’s Umgebung ihm gegenüber feindlich eingestellt seien. Schon im August 1516 wurde K schriftlich über seiner Person mißgünstige Gesinnung informiert und aufgefordert einzuschreiten. Daraufhin hatte er F brieflich gewarnt, solchen Äußerungen Gehör zu schenken. Aus den zwei jüngst eingetroffenen Poststük- ken geht hervor, daß die an der Spitze des Hofstaats F’s stehenden Personen am meisten belastet sind und eine von ihnen sich bereits schriftlich in (für K) abträglichster Weise an Granden und Städte gewandt hat. 2. K muß eingreifen, bevor Zwietracht zwischen ihm und F ausbrechen kann. Er erhebt Vorwürfe gegen (Alvaro Osorio) den Bischof von Astorga, der doch weiß, daß ein (nicht näher bezeichneter) Beschluß in Gegenwart und mit Zustimmung Kaiser Maxi­milians I. und Erzherzogin Margaretes gefällt worden war und K’s erste Sorge bei seiner Ankunft in Spanien F’s Hofhaltung gelten werde. Neben 4000 Dukaten für die Hofhaltung F’s sind Astorga selbst als Entschädigung für seine Auslagen 2000 Dukaten ausbezahlt worden. 3. K entläßt hiemit (Pero Nünez de Guzmän) den Großkomtur (des Ordens) von Calatrava und den Bischof von Astorga und ernennt an ihrer Stelle den Schlüsselträger (des Ordens) von Calatrava, Diego de Guevara, und seinen Gesandten Lachaulx. Da beide im Augenblick nicht anwesend sind, wird sie Alonso Tellez Girón vertreten. Für ausführliche Berichterstattung wird F an Ximénez und Adrian von Utrecht verwiesen. K beteuert, daß alle diese Maßnahmen nur zum Besten F’s getroffen wurden. Da K’s Einschiffung unmittelbar bevorsteht, wird er alle wichtigen Fragen mit F selbst (mündlich) besprechen. 4. Nachschrift: eigenhändige Be­kräftigung K’s, daß F’s Wohlergehen für diese Anweisungen entscheidend war und F sich daran halten möge. Wien, HHStA Familienkorrespondenz A 1 fol. 76-77. Or. oben und unten beschnitten. Eigenhändige Nachschrift und Unterschrift. Unverletztes Oblatensiegel. Schrift und (fehlende) Gegenzeichnung: vermutlich Villegas. Rückvermerk: Al illustrisimo infante don Hernando de Aragon nuestro muy caro y muy amado hermano. Druck: Bauer FK 6—9 n. 8 nach Charles Weiss (ed.) Papiers d’Etat du Cardinal de Granveile 1 (Collection de documents inédits sur Vhistoire de France, Paris 1841) 100-104.

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