Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich
516 Literaturberichte eine Auswahl jener Fotos zu bringen, die lediglich mit Mitteln der Fotomontage und Retouche entstanden sind. Jahrelang wurden alte Fotos Elisabeths buchstäblich nur neu eingekleidet und in eine andere Umgebung gestellt, um die Legende von der Landesmutter und treuen Gemahlin des Kaisers aufrechtzuerhalten. Dazu wurde sie ebenfalls nur mit Stift und Pinsel künstlich altern gelassen, weil es auch einem naiven Betrachter aufgefallen wäre, daß sich Elisabeth in dreißig Jahren nicht veränderte. Geradezu ein Schlüsselfoto für die foto- und menschenscheu werdende Kaiserin ist ein nicht aufgenommenes Foto aus dem Jahr 1860 (Bildarchiv), das eine circenhafte, meilenweit von der Realität entfernt scheinende Frau zeigt. Die Schwierigkeit bei den Elisabeth-Bildern und vor allem bei den Fotos liegt also darin, daß man echt von unecht zu scheiden hat und gerade bei den Fotos auf Grund der schwierigen Quellenlage und mangelhafter Beschriftung in Archiven und Alben immer wieder beträchtliche Probleme der Zuordnung und Datierung hat. Zieht man das alles in Betracht, so hätte der Bildband eine vollgültige Ergänzung der Biographie werden können. Statt dessen ist er das nur teilweise geworden und steht ein wenig im Gegensatz zur Biographie, die er illustriert und nicht interpretiert. Marianne Rauchensteiner (Wien) Andrew G. Whiteside Georg Ritter von Schönerer. Alldeutschland und sein Prophet. Aus dem Amerikanischen von Georg Hartmann. Verlag Styria, Graz—Wien—Köln 1981. 344 S. Andrew G. Whitesides Monographie der österreichischen alldeutschen Bewegung stellt die deutschsprachige Fassung eines Buches dar, das erstmals im Jahre 1975 in englischer Sprache unter dem Titel The Socialism of Fools, Georg Ritter von Schönerer and Austrian Pan-Germanism (University of California Press, Berkeley) erschienen ist. Diese Neuausgabe ist sehr zu begrüßen: Auf der Grundlage langjähriger Studien hat der Vf. eine archivalisch fundierte, wohlüberlegt konzipierte und gut lesbare Gesamtdarstellung der Schönererbewegung geschaffen, wie sie in der neueren Österreichliteratur lange Zeit ein echtes Desiderat gewesen ist. Der Vf. schildert die Entwicklung der alldeutschen Bewegung Österreichs im Zeitalter des Dualismus weitgehend in ihrer natürlichen' chronologischen Folge. Ohne ausgesprochen neue ereignisgeschichtliche Befunde, die aus der vor 1945 entstandenen umfangreichen Schönererliteratur nicht schon bekannt wären, mitzuteilen, arbeitet Whiteside in klarer und un- polemisch-sachlicher Weise die wichtigeren Entwicklungsschritte Schönerem als Politiker heraus. Als besonderer Vorzug der Darstellung darf gelten, daß W’s umfangreiche Ausführungen über den jungen Schönerer als einem gewiß nicht intellektuellen, aber engagiert sozialreformeri