Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Rezensionen 515 Die Fotos sind eine gelungene Mischung aus altbekannten und weniger bekannten, nicht aber aus wirklich unbekannten Bildern. Die Jugendbild­nisse Elisabeths (vor allem Gemälde) zeigen ein eher unreifes Mädchen, eine nichtssagende junge Frau. Die Fotographien, die es dann ab 1859 von ihr gibt, zeigen das Gesicht einer jungen, etwas schmollend wirken­den Frau im Stil der Zeit, denn auch andere Damen, Aristokratinnen wie „Bürgerliche“, ließen sich mit leicht verachtungsvollen Blicken und herabgezogenen Mundwinkeln fotographieren. Erst die Bilder der Jahre 1865 bis 1870 geben etwas von dem Reiz und dem Fluidum wieder, das von Elisabeth ausgegangen sein muß. Die letzten Fotos der Kaiserin, die sie eigentlich auf dem Gipfel ihrer Schönheit und ihrer Persönlichkeit zeigen sollten, enttäuschen wiederum, da sie ein längliches aber eher volles Gesicht zeigen und nichts von der ätherischen Schönheit ahnen lassen, die der Kaiserin nachgerühmt wurde. Welche Veränderungen an einem Menschen da der Maler vornehmen konn­te, läßt sich wohl am besten an den Winterhalter-Bildern nachvollzie­hen, denn das bekannteste Bild, jenes mit geflochtenen Haaren und glit­zernden Diamanten (S. 47), idealisiert in geradezu atemberaubender Wei­se und verdeckt die frigide und damals schon enttäuschte und enttäu­schende Frau. So schön daher manche Gemälde und Zeichnungen auch sind, sie bilden einen merkwürdigen Kontrast zu den Fotos und das hätte wohl noch etwas betont werden können. Was wurde da doch mani­puliert und retuschiert! Da Elisabeth fast so groß war wie Kaiser Franz Joseph, mußten die Maler alle möglichen Kunststücke vornehmen, um einen Größenunterschied herauszuarbeiten, denn der Kaiser hatte natür­lich die Kaiserin zu überragen. Manche Fotos haben auch deutlich Witz, wie z. B. jenes auf S. 61, bei dem man sich gut vorstellen kann, daß ein Sitznachbar der Kaiserin bei einem Bankett unter ihrer Krinoline ver­schwinden konnte, wie dies Alexander von Hessen seiner Schwester, der Zarin Marie von Rußland, schrieb. Das Bild erhält auch dann seinen besonderen Wert als Quelle, wenn man sich dem Faktum gegenüber sieht, daß es nach 1860 kein reprä­sentatives Foto von Elisabeth gibt, das sie mit einer anderen Persönlich­keit als ihrem Bruder zeigt. Außer Schnappschüssen existieren keine Auf­nahmen, die sie mit dem Kaiser oder gar mit einem oder mehreren ih­rer Kinder zeigen. Man stelle sich nur vor: Eine Frau in ihrer Posi­tion, die es offenbar abgelehnt hat, mit ihrem Mann auf einem Foto aufzuscheinen; eine Mutter, die sich mit keinem ihrer Kinder der Kamera stellte. Bis 1874 ließ sich Elisabeth wenigstens allein fotografieren. Dann endete auch dieses Zugeständnis. Ab 1874 ist man nur mehr auf Vermutungen angewiesen, wie sich die Kaiserin veränderte, da sie sich ab diesem Zeitpunkt weder malen noch fotographieren ließ. Von da an wurde nur mehr eine Legende genährt, die auch heute noch die Sicht auf die wahre Elisabeth verstellt. Hier wäre es vielleicht erforderlich oder zumindest wünschenswert gewesen, 33*

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