Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

510 Literaturberichte zungen um den Status Slawoniens, das Steuerrecht und die Zulassung von Protestanten dar. Wenn auch statistisch weniger aufbereitet, so gewährt die Arbeit auch gute Einblicke in die wirtschaftlichen Probleme Kroatiens und Slawo­niens in dieser Zeit. Die relativ starren Untertänigkeitsverhältnisse, die nur zum Teil ablösbaren Robotpflichten und der auf die Naturalrente der Bauernwirtschaften angewiesene Grundbesitz — das galt sogar für den slawonischen Großgrundbesitz — bedingten bis 1848 eine geringe Produktivität der Landwirtschaft. Das Manufakturwesen beschränkte sich im wesentlichen auf Glas, Wolle und Papier, bedeutender wurde die Ver­arbeitung von Landesprodukten. Das stark diversifizierte Handwerk war in seiner Entwicklung durch den Zunftzwang gehemmt, andererseits wa­ren gerade viele der qualifizierten Handwerker aus industriell fortge­schritteneren Ländern der Habsburgermonarchie zugewandert. Besser entwickelt war bereits der Handelsstand, besonders in Zagreb, Osijek, Va- razdin und Karlovac, und dieser Gesellschaftsbereich blieb trotz seiner ethnischen Vielfalt — Kroaten, Serben, Griechen, Aromunen, Juden, Deut­sche — von den nationalen Auseinandersetzungen und Parteikämpfen weitgehend unberührt. Freilich litt auch der Handel unter den geringen Absatzmöglichkeiten in Kroatien und Slawonien, und die Zwischenzoll­linie zu Österreich bedeutete einen Wettbewerbsnachteil. Im letzten Abschnitt versucht K. andeutungsweise die von ihm breit dargelegten „Grundlagen“ von Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur di­rekt mit der Tagespolitik zu konfrontieren. Er bemüht sich um Erfassung der Trägergruppen der entstehenden illyrischen und promagyarischen Par­tei, um Analyse ihrer Interessen, Forderungen und Programme und um Hinweise auf die sprachliche Nationalisierung von Teilen des städtischen kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Und er stellt mit Recht fest, daß die Illyrier zwar die Durchsetzung der neustokavischen Schrift­sprache in allen kroatischen Ländern sowie die Bewahrung der durch die Munizipalrechte ermöglichten Autonomie leisteten, daß sie aber we­nig Resonanz im Volk fanden. K’s Arbeit hat also sehr gewissenhaft und einigermaßen systematisch eine Fülle an Material zusammengetragen und problematisiert. Jetzt steht einer genetischen Darstellung und einer Synthese, die über Sisic hinausführt, nichts mehr im Wege. Arnold Suppan (Wien) Alan S k e d The survival of the Habsburg Empire. Radetzky, the Imperial Army and the Class War, 1848. Longman Group Limited, London—New York 1979. 289 S. Die österreichische Armee, die Revolution von 1848/49 und der Neoab­solutismus haben in den letzten Jahren in der internationalen Geschichts­forschung stets wachsende Beachtung gefunden. In der Tat ist die Frage,

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