Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

506 Literaturberichte Ziehung anderer Lebensgebiete, so daß die Abhandlung streckenweise zur Karikatur einer Landschaftsbeschreibung wird. Das Werk enthält einige durchaus ernst zu nehmende Kapitel, so vor allem § 17 bis § 22, welche praktische Ratschläge über die Vorberei­tung des Bodens, Baumzucht und über die Versetzung großer Bäume geben. Auch die einleitende Geschichte der Gartenkunst ist trotz ihrer sub­jektiven Art recht ansprechend. Der Hauptteil jedoch, die Beschreibung der im Városliget geplanten An­lagen mit Schilderung des jeweiligen „Gemäldes“ (d. i. der Aussicht von einem bestimmten Punkt), besteht aus einer Aneinanderreihung von Stil­blüten und exzentrischen Einfällen, deren praktischer Nutzen meist sehr gering ist. Zu Höchstleistungen steigert sich Nebbiens Sprache, wenn an gewissen Einrichtungen die Vereinigung von ästhetischer Wirkung und ökonomischem Nutzen hervorgehoben werden soll. Exemplarisch sei hier einiges aus Nebbiens Text angeführt: „Die Obere Wiese hat ... sehr vieles Baumgestrüpp. Es muß dieses, sowohl um ein lachendes, reizendes Gemälde in dieser Wiese darzustellen als auch, um einen besseren Ertrag in ihr zu begründen, größtenteils und in malerischen Gruppen versammelt werden“ (S. 33). — „Denkmäler aus Erz und Marmor sind weniger groß und edel als es diese schwebenden Dome, diese säuselnden Schat­tenhallen, diese sprechenden Gruppen sein können, in süßer Anmut Schatten über späte Enkel und Samen über nackte holzlose Steppen streuend“ (S. 38). — „Diese nützlichen Haine in malerischem Stolz aneinandergereiht, können sie nicht ... indem sie einst schon Mutterbäume und Vorbilder ... sind, vielfachen Nutzen über das Land verbreiten? ... Dieses Amphitheater, wird es nicht, indem es seinen Zweck, das öffentliche Wettrennen erfüllt, einen Zweig der höheren Landwirtschaft heben?“ (S. 95). Auch hat Nebbien teils sehr merkwürdige Ansichten darüber, was in einem Garten schön wirkt oder nicht. So muß etwa die Wohnung des Wirtes der Volkshalle versteckt werden, um die edle Stille des Gebäu­des nicht zu stören (S. 81); die Kuhherden vor der Meierei aber, „wel­che den Heuertrag des Parkes konsumieren“ und ihre „in gefälliger Zweckmäßigkeit ... anzubringenden Dunggruben“ dienen offenbar der Belebung der Aussicht (S. 82). Wegen dieses Heugewinns darf das Volk auch die Wiesen nicht betreten (S. 89), während sich an anderen Stel­len die Kinder wälzen und spielen dürfen (S. 83). An einer gewissen Stelle müssen unbedingt hohe Pappeln gepflanzt werden, um die Aussicht auf „die prosaischen Weingärten“ der Umgebung zu verdecken (S. 86). Ferner fällt es auf, wie diktatorisch Nebbien darauf beharrt, daß sich alle Fahrenden, Reitenden und Gehenden unbedingt rechts halten müs­sen. Die kreisförmige Weganlage beim Eingang des Parkes ist dement­sprechend als sechspurige Bahn gebaut, von denen je drei Spuren rechts herum und drei Spuren links herum zu benützen sind (S. 40 u. ö.). Bei manchen Passagen möchte sich Nebbien zu dichterischer Höhe er­heben, was ihm nur selten ohne Komik und ohne grammatikalische Feh­ler gelingt:

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