Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Rezensionen 505 reits umfangreiche Literaturkenntnisse über historische Familienforschung voraus. Viele aufschlußreiche Statistiken, die die Langzeitreihen deutlich und klar zum Ausdruck bringen, vervollständigen diese Arbeit, die erstmalig die Entwicklung der Arbeiterfamilie in Wien im 19. Jahrhundert verfolgt und so einen wertvollen Beitrag zur Geschichte des 19. Jahrhunderts darstellt. Interessant wäre eine Gegenüberstellung des Wandels der Fami­lienstruktur im Zusammenhang mit der bäuerlichen Arbeitsorganisation in einem ländlichen Bereich Österreichs im selben Zeitraum. Waltraud Heindl (Wien) Heinrich N e b b i e n Ungarns Folks-Garten der koeniglichen Frey-Stadt Pesth (1816). Hg. und bearbeitet von Dorothee N eh ring (Veröffentlichungen des Finnisch-Ugrischen Seminars an der Universität München. Serie C, Miscel­lanea 11). München 1981. 125 S., 13 Abb. Das Budapester Stadtwäldchen (Városliget) ist vor allem durch seine Bau­ten zur Milleniumsausstellung 1896 zu einem Markenzeichen der ungari­schen Hauptstadt geworden. Jedoch existierte es als gärtnerische Anlage schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts, als die bestehende sandige und sumpfige Wüstenei, zum Teil auf Anregung des Erzherzogs Palatin Jo­seph, zu einem Volksgarten umgestaltet wurde. Heinrich Nebbien ging aus dem dabei veranstalteten Wettbewerb als erster Preisträger hervor. Er wurde auch mit der praktischen Durchführung seines Projektes be­auftragt, wobei er in den Jahren nach 1813 nachweisbar ist. Nebbien starb 1841, doch wird weder im Vorwort zur vorliegenden Ausgabe, noch in einer früheren Publikation von Nehring (Stadtparkanlagen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Landschaftsgartens [Geschichte des Stadtgrüns 4, Hannover—Berlin 1979]) auch nur andeutungsweise gesagt, wie lange an der gärtnerischen Ausgestaltung des Stadtwäldchens überhaupt gearbeitet wurde. Jedenfalls entstand im Zusammenhang mit diesen Entwürfen auch die vorliegende Denkschrift, die vor allem dazu dienen sollte, zahlungskräftige und -wil­lige Mäzene für die notwendigen Anschaffungen zu gewinnen. Nehring erwähnt in der Einleitung, daß die „eher umständliche Aus­drucksweise Nebbiens“ schon von den Zeitgenossen bemerkt und als Eigenart eines kuriosen Genies betrachtet wurde (S. XVII). Diese freund­lich-wohlwollende Charakterisierung ist jedoch m. E. eine enorme Ver­harmlosung des Tatbestandes. Nicht nur sein Stil, sondern viele seiner Ideen sind äußerst skurril. Da er mit dem vorliegenden Traktat haupt­sächlich propagandistische Wirkung beabsichtigte und alle Schichten der Bevölkerung ansprechen wollte, sparte er nicht mit bildhaften Ausdrük- ken, schmückenden Beiwörtern, mit Erfindung neuer antiker Gotthei­ten („Pallas Pannonia“, S. 53), mit beziehungsvoll-sein-sollender Heran-

Next

/
Oldalképek
Tartalom