Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Rezensionen 497 widmet wie dem eher marginalen „jakobinisch“ gesinnten Studentenclub in Innsbruck. Doch das sind Probleme, die bei jeder Zusammenfassung auftauchen. Man wird dem Autor in jedem Falle für eine bemerkenswerte Leistung danken müssen — die Zusammenfassung der Bewegungen in der Habsbur­germonarchie zur Zeit der Französischen Revolution. Ihre Vielfalt wird deutlich sichtbar. Die Lektüre des Buches lohnt sich, — provoziert aber auch weitere Diskussion. Volker Press (Tübingen) Helmut Reinalter Der Jakobinismus in Mitteleuropa. Eine Einführung (Urban Taschenbücher 326). Verlag W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart—Berlin— Köln—Mainz 1981. 180 S. Der Vf. hat sich die an sich schon nicht leichte Aufgabe einer Ein­führung in einen Gegenstand und seine Erforschung noch zusätzlich da­durch erschwert, daß er sich vornahm, gleichzeitig den Grund zu legen für ein umfassendes Handbuch zu seinem Thema sowie der künftigen Forschung Orientierungslinien vorzuzeichnen. Der durch das Taschenbuch vorgegebene begrenzte äußere Umfang stellte eine weitere Hürde dar. Es handelt sich thematisch um einen ebenso interessanten wie wich­tigen Ausschnitt aus der Geschichte der neunziger Jahre des 18. Jahr­hunderts, den mit „Jakobinismus“ zu bezeichnen der Rezensent auch nach der Lektüre des vorliegenden Buches noch für falsch hält. Der Be­griff preßt eine breite Erscheinung in ein Korsett, das am französischen Modell konfektioniert ist. Dies gleichsam veranschaulichend ziert den Um­schlag des Buches dann auch eine Darstellung französischer Sansculot­ten. Dennoch: der Begriff ist nun einmal da, und darüber zu streiten, lohnt nicht mehr. Allerdings ist zu fragen, ob es der Forschung nicht doch gelungen ist, „die Problematik des Jakobinismusbegriffs klar zu um­reißen“ (S. 17). Jedenfalls beläßt es der Vf. dabei, sehr verschiedene De­finitionen des Begriffs vorzuführen und ihn selber auf höchst unter­schiedliche Konzeptionen und Phänomene anzuwenden, was die Proble­matik sehr deutlich macht. Der Vf. teilt z. B. über revolutionäre Regun­gen in der Steiermark und in Ober Österreich folgendes mit: In Graz soll öfters ein Kreis zusammengekommen sein, „um die Marseillaise und andere revolutionäre Lieder zu singen“. „Die demokratischen Vorstellun­gen der steirischen Jakobiner gingen etwas auseinander, die meisten ver­standen darunter im allgemeinen die Beobachtung, Anerkennung oder Ablehnung der Vorgänge in Europa im Anschluß an die Französische Re­volution und den Vergleich mit den Verhältnissen in der Habsburger­monarchie“ (S. 76). In Knittelfeld trat man für die Verfassung von 1791 ein, lehnte die Ausschreitungen unter der Jakobinerherrschaft aber ab. Ein vom Vf. als besonders radikal gekennzeichneter Pfarrer nannte diese Verfassung ein „weisestes“ und „göttliches“ Werk. „Die gesellschafts­Mitteilungen, Band 36 32

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