Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Rezensionen 491 Politik nach dem Sieg Eugens und Marlboroughs bei Höchstädt, des Kamp­fes um die Hegemonie in Italien und der Auseinandersetzung mit dem Papst, der Auseinandersetzungen in Ungarn und Josefs Friedensbemühun­gen sowie des Kampfes um Spanien —, die Rolle des Kaisers und die seiner Umgebung genau abzuwägen. Auch die Innenpolitik wird in einem eigenen Kapitel behandelt, wobei I. aufgrund der Konferenzprotokolle nachweist, daß der Kaiser sehr wohl der Konferenz den Stempel seiner eigenständigen Persönlichkeit aufdrückte. Auch gehen auf Josef einzelne Ansätze in der Finanzpolitik und in Richtung einer allgemeinen Verwal­tungsreform zurück, die durchaus vielversprechend waren, dann jedoch nach dem frühen Tode des Kaisers von seinem Bruder und Nachfolger Kaiser Karl VI. nicht weitergeführt wurden. Hier zeigt sich allerdings, daß ein abschließendes Urteil nicht gefällt werden kann, solange wir keine wissenschaftliche Biographie Karls VI., des letzten Althabsburgers, besit­zen. Das Buch ist durch die Auswertung zahlreicher ungedruckter Quellen, vor allem natürlich des Wiener Haus- Hof- und Staatsarchivs, sowie die gute Literaturkenntnis des Autors sicher ein Gewinn, wenngleich es nicht die alle Bereiche des Wirkens Josefs I. und seiner Persönlichkeit umfas­sende Arbeit geworden ist. So wird auch kaum auf das Mäzenatentum des Kaisers, musikalische oder künstlerische Interessen eingegangen. Nach den Forschungen Alphons Lhotskys (Die Geschichte der Sammlungen, 1. Hälfte [Wien 1941—1945] 383 ff) zeigt sich jedenfalls, daß auf dem Gebiet des Sammelwesens Kaiser Karl VI. deutlichere Spuren hinterlassen hat und weit planvoller agierte als sein Bruder. Bedauerlich ist es auch, daß sich der Verlag nicht dazu entschließen konnte, das Buch zu illu­strieren. So prangt das Porträt des Kaisers, dessen Physiognomie so wenig habsburgisch wirkt, nur auf der Umschlagseite. Auch die berühmten Kritzeleien Josefs, der während der Konferenzen Karikaturen seiner Um­gebung anzufertigen pflegte, hätten eine Bereicherung des Buches darge­stellt. Georg Heilingsetzer (Linz) Vladimír Vaskű Panovnické konfirmace pro moravské klástery v 18. stoleti [Die landesfürstlichen Konfirmationen für mährische Klöster im 18. Jahr­hundert] (Opera Universitatis Purkynianae Brunensis, Facultas philosophica 230). Selbstverlag der Universität Brünn 1981. 168 S., mit einer Zusammen­fassung in deutscher Sprache. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden bekanntlich besonders viele Privi­legienbestätigungen für geistliche und weltliche Institutionen erteilt, man denke etwa an die zahlreichen Zunfturkunden und Gemeindeprivilegien sowie an Weistümer, die uns oft nur im Gewände frühneuzeitlicher „Kon­firmationen“ erhalten geblieben sind. Mit einem verhältnismäßig kleinen, dadurch aber gut überschaubaren Bereich behördlicher Privilegienbe­stätigungen beschäftigt sich das hier anzuzeigende Buch. Es behandelt

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