Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

480 Literaturberichte Helfried Valentinitsch Das landesfürstliche Quecksilberbergwerk Idria 1575—1659. Produktion — Technik — rechtliche und soziale Verhältnisse — Betriebsbedarf — Quecksilberhandel (Forschungen zur geschichtlichen Landes­kunde der Steiermark 32). Selbstverlag der Historischen Landeskommission für Steiermark, Graz 1981, 439 S., 37 Abb. V. untersucht die staatliche Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik be­züglich des Bergwerks Idria und behandelt in übersichtlich gegliederten Abschnitten auch die Entwicklung von Quecksilberhandel und -Produk­tion, von Verwaltung, Rechtswesen und arbeitsrechtlichen Verhältnissen, von Löhnen und sozialem Schutz der Arbeitnehmer. Die Bedeutung Idrias für Gewerbe und Handel in Innerösterreich und die Beziehungen zum süddeutschen und italienischen Kapitalmarkt werden ebenso gewürdigt, wie die kirchlichen Verhältnisse, Schulwesen, Reformation und Gegen­reformation in Idria. Ausführlich werden die so bedeutenden technischen Innovationen dargestellt. Am Schluß der Arbeit stehen Kurzbiographien der leitenden Bergwerksbeamten und der Quecksilberappaltatoren sowie die Jahrestabellen von produziertem Quecksilber und Zinnober. 37 Ab­bildungen beleben und bereichern die Darstellung. Idria, das jüngste Bergbauzentrum im Ostalpenraum, wurde 1575 von Erzherzog Karl von 43 verschiedenen Inhabern um den Betrag von 170.000 Gulden erworben. Die privaten Gewerken verkauften ihre Anteile, weil sie für die notwendigen Investitionen zu kapitalarm waren und auch den Arbeitern die längst notwendige Lohnerhöhung nicht zahlen konnten. Die Löhne der Bergarbeiter waren 1536—1575 gleich geblieben, trotz der stark angewachsenen Lebenshaltungskosten im Zusammenhang mit der gesamteuropäischen „Preisrevolution“. Nach einer Erhöhung 1575 durch Erzherzog Karl blieben die Löhne bis 1626, trotz Inflation der „Kip­per- und Wipperzeit“ wieder gleich, wie man in Idria überhaupt die Aus­wüchse der frühkapitalistischen Wirtschaftsform sehr gut feststellen kann: Hier wurde der Bergwerksverwaltung die Ausbeutung der Arbeiter durch den Traditionsmangel — der Bergbau setzte erst 1493 ein, also zu einer Zeit, wo in anderen Bergbaugebieten die Entwicklung von verschiedenen Selbsthilfeorganisationen schon zum Abschluß gekommen war — und durch den Überschuß an Arbeitskräften besonders erleichtert. Erzherzog Karl erwirbt das Bergwerk, um es vor dem Erliegen zu be­wahren und um sich neue Einnahmen zu verschaffen, die vom Steuer­bewilligungsrecht der auf dem Höhepunkt ihrer Macht stehenden Stände unabhängig waren. Wichtiger noch als die direkten Einnahmen waren die Kreditmöglichkeiten, die sich mit dem Besitz des Bergwerks ver­banden. Mit großem Aufwand wurde das Bergwerk modernisiert (im Jahre 1600 beschäftigte sich auch Johannes Kepler mit technischen Verbesserungen) und wurde so in der frühen Neuzeit, sowohl nach der Zahl der Be­schäftigten, als auch im Hinblick auf die im Quecksilberhandel erzielten

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