Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich
Rezensionen 481 Gewinne der wichtigste Großbetrieb im Lande Krain. Die Leistung der innerösterreichischen Zentralverwaltung, die Weiterbestand und Konkurrenzfähigkeit des Bergwerks zu sichern wußte, ist, vor allem in Anbetracht der schwierigen Zeitläufte, nicht hoch genug anzuschlagen. Idria wurde neben Almádén in Spanien und Huancavelica in Peru zum größten und zuverlässigsten Quecksilberproduzenten der Welt. Durch das Quecksilber hatte Innerösterreich einen Exportartikel, der ihm nicht nur zum mitteleuropäischen Markt, sondern auch zur Weltwirtschaft Zugang verschaffte. Der Zeitpunkt des Einstieges von Erzherzog Karl in das Quecksilbergeschäft war günstig gewählt: Durch die Einführung des Amalgamierungsverfahrens bei der Silbergewinnung in Amerika war die Nachfrage nach Quecksilber sprunghaft angestiegen. Neben der Silbergewinnung brauchte man Quecksilber nur in geringen Mengen, etwa für die venezianische Spiegelindustrie, für Medizin (Syphilis) und für die Alchemie. Das Nebenprodukt Zinnober fand für die Farbstoffindustrie Verwendung. Zur selbständigen Durchführung des lukrativen Quecksilberhandels reichten die finanziellen Möglichkeiten der innerösterreichischen Zentralverwaltung, sehr zu ihrem Nachteil, nicht aus, sodaß die Habsburger aus Kapitalmangel den Quecksilberhandel an ausländische Großunternehmer in Form eines Appaltes verpachteten. Nach Süddeutschland kam für mehrere Jahrzehnte Venedig zum Zug — was den so oft behaupteten wirtschaftlichen Niedergang Venedigs im 16. und 17. Jahrhundert in einem neuen Licht erscheinen läßt —, dann Genua und schließlich Amsterdam. Erst 1659 kann der Staat den einträglichen Handel mit dem seltenen Metall selbst in die Hand nehmen. Mit der Schilderung der Ereignisse des Jahres 1659 schließt die Darstellung. Als Resümee verdient festgehalten zu werden: Erzherzog Karl hatte sein Hauptziel — eine von den Ständen unabhängige Einnahmsquelle zu erlangen — erreicht. Idria konnte sich nicht nur gegen die spanische und peruanische Konkurrenz durchsetzen, sondern bewahrte durch seine Zuverlässigkeit die spanisch-amerikanische Silberproduktion vor einem noch stärkeren Rückgang. Welche eminente politische und wirtschaftliche Bedeutung Idria dadurch in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zukam, liegt auf der Hand. Die vorliegende Untersuchung, die als Habilitationsschrift an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz approbiert wurde, beleuchtet als erste den für die Geschichte des Bergwerks so bedeutungsvollen Zeitraum von 1575 bis 1659. Dem Autor ist für gewissenhafte Gründlichkeit und methodische Präzision bei der Bearbeitung der Quellen und für eine mustergültige Darstellung zu danken. Christian Sapper (Wien) Mitteilungen, Band 36 31