Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
NOFLATSCHER, Heinrich – SPRINGER, Elisabeth: Studien und Quellen zu den Beziehungen zwischen Rudolf II. und den bosnischen Christen
40 Heinrich Noflatscher — Elisabeth Springer Bei einer mündlichen Vernehmung durch die Hofkammerräte, antwortete Bertucci auf die Frage nach möglichen Zeugen für diese seine Aufwendungen, „es wisse solches die ganze Welt“ 53 * * 56). Die gesammelten Berichte wurden vom Reichshofrat gesichtet und am 11. März 1602 wieder an die Hofkammer verwiesen, mit dem Auftrag, dem Supplikanten schnellstens Bescheid zu geben, was ihm zustehe, „damit man anisten aus der Sachen körnen und Ir Kaiserliche Majestät von ime Bertuci der unaufherlichen molestationen uberhoben sein mugen“ 64). Von den Hofkammerbeamten wurde Bertucci nun offenbar an Dr. Pezzen persönlich verwiesen. Bertucci hatte schon früher gelegentlich über Pezzen „ergerliche und ehrenrürige worth spargirt und ausgossen“65). Im Frühjahr 1602 kam es dann auf der Prager Ritterstube zu einem großen Auftritt zwischen beiden, bei dem Bertucci nicht mit Schmähworten sparte. Wohl wegen des Ortes der Auseinandersetzung und der Person des Beleidigten wurde Bertucci vom Reichshofrat zu einer Arreststrafe verurteilt. Zur Durchführung dieser Haft wurde er seinem geistlichen Vorgesetzten, dem Malteser-Großprior Leopold Poppel von Lobkowitz, übergeben6C). Das Provinzial-Ordenskapitel verurteilte Bertucci auf ausdrücklichen Wunsch des kaiserlichen Obersthofmeisters zum Arrest auf einen Monat in den Räumen des Priorates „bei geringer azung“ und ernsthafter Belehrung über das Ungehörige seines Betragens. Das Ordenspriorat berichtete schließlich unter dem 1. Juni 1602 an den Kaiser, daß man Bertucci angemessen bestraft und erstlich ermahnt habe. Er sehe seine gegen Pezzen begangene Untat zwar ein, doch fühle er sich wegen der Geldforderung an sich weiterhin im Recht. Lobkowitz schließt mit der Bitte, „ein wergk kaiserlicher österreichischer barmherzigkeit“ zu tun und Bertucci wieder auf freien Fuß setzen zu lassen 57). Bertucci dürfte bald darauf Prag verlassen haben, bestellte jedoch einen gewissen Horatius Gualterius zu seinem Prokurator in bezug auf seine Forderung gegenüber der Hofkammer 58). In seinen Briefen an den spanischen Botschafter in Rom und an den spanischen Vizekönig in Neapel aus dem Jahr 1603 weist er darauf hin, daß der Kaiser seine Dienste nicht gewürdigt habe und ihm immer noch 7000 Taler schulde; wegen dieses Undanks biete er seine Dienste nun dem spanischen König an 59). Die Wege Bertuccis in den folgenden Jahren lassen sich nur in unregelmäßigen Abständen verfolgen: Sommer 1603 in Neapel, 1604/05 in Spanien, Jänner 1606 in Turin, Sommer 1606 in Neapel, 1606/07 in Dalmatien, 53) Ebenda. 5<i) Ebenda fol. 150 r. *5) HKA Hoffinanz Akten rote Nr. 86 (1601 November 9). 56) Vgl. Springer Bertucci 104 f. 57) Wittingau ÉA Malt. rkp. c. 112 fol. 448—450. 58) HKA Hoffinanz Bd. 555 fol. 199 r (1603 Mai). 59) Bartl Westbalkan 105, 107.