Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
NOFLATSCHER, Heinrich – SPRINGER, Elisabeth: Studien und Quellen zu den Beziehungen zwischen Rudolf II. und den bosnischen Christen
Studien und Quellen 41 1611 in Neapel, 1613 in Palermo, 1614 in Florenz60). Gegenüber seinen Ordensbrüdern in Prag behauptete er allerdings, er sei bis 1615 hauptsächlich in Malta gewesen, was sicher nur teilweise stimmt61). Nachweisbar ist jedenfalls, daß er in diesen Jahren immer wieder versuchte, das Priorat Ungarn des Malteserordens zu reaktivieren, um die Würde des betreffenden Priors zu erhalten. Seine Propaganda für Unterstützung der Freiheitsbewegung der Balkanvölker ist vor allem unter dem Aspekt zu sehen, die im Mittelalter durch die ungarischen Könige gestifteten Ländereien wieder für den Malteserorden in Besitz nehmen zu können62 63). Aus dem Jahre 1607 ist eine Nachricht überliefert, daß Bertuccis Vorschlag vom Ordenskapitel in Malta offiziell diskutiert wurde; wegen der diffizilen Problematik beschloß man, sich in dieser Angelegenheit an den spanischen König zu wenden, worauf aber keine konkrete Antwort gekommen zu sein scheint6S). Aus einem Brief Bertuccis an den spanischen Vizekönig in Neapel von 1611 erfahren wir ferner, daß er wegen eines Rechtsstreites um das Malteser-Priorat Ungarn, auf das er ein Recht habe (!), längere Zeit in Rom gewesen sei64). Während all dieser Jahre verfolgte Bertucci aufmerksam die Vorgänge im Reich bzw. die Auseinandersetzung Kaiser Rudolfs mit dessen Brüdern. In dem eben erwähnten Brief von 1611 betont er, wie die Rückeroberung des Königreiches Bosnien, von Dalmatien, Albanien und ganz Makedonien sowohl für den spanischen König als auch für den Kaiser wichtig sei. Als spezielle Vorteile für den Kaiser zählt er auf: Durch die Rückeroberung von Kanisza würden sich die Ungarn ihm zuwenden, dann wäre das Reichsoberhaupt dadurch in die Lage versetzt, die Wahl eines römischen Königs, d. h. seines Nachfolgers im Reich65), vorzunehmen, außerdem würde sich Rudolf dadurch mit seinem Bruder Mathias, dem König von Ungarn, aussöhnen. Es darf nicht übersehen werden, daß Bertucci eine Kopie dieses Briefes an einen anderen Bruder des Kaisers, an Erzherzog Maximilian von Tirol, schickte. Aus einzelnen Anzeichen ist zu schließen, daß er mit diesem im Zusammenhang mit dessen einstiger Bewerbung um die Krone von Polen in Kontakt war 66). Als Hauptziel seiner Vorschläge 6°) Nach Bartl Westbalkan 104—110. 8i) Wittingau RA Malt. rkp. c. 12 fol. 239—247. 62) Christian von Osterhausen Eigentlicher und gründlicher Bericht ... des ... ritterlichen Ordens S. Johannis von Jerusalem zu Malta ... (Augsburg 1650) 659 ff. 63) Ebenda 672. 64) T. G. D j u v a r a Cent projets de partage de la Turquie (Paris 1914) 517—521. Vgl. auch Bartl Westbalkan 110 wo jedoch die Bedeutung des Johanniter-/Malteserordens für den Türkenkrieg und für Bertucci nicht erkannt wird. 65) In den Jahren 1609/1611 stand die Wahl des Erzherzogs Leopold von Straßburg/Passau als Nachfolger Rudolfs zur Debatte; vgl. Anton Gin de ly Rudolf II. und seine Zeit 1600—1612 2 (Prag 1863) 153—163. 66) Heinrich Noflatscher Erzherzog Maximilian Hoch- und Deutschmeister 1585/90—1618. Das Haus Habsburg, der Deutsche Orden und das Reich