Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)

SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich

Rezensionen 475 Ein großer Teil des Bandes handelt über den Venezianerkrieg und den Kampf der europäischen Mächte um Italien ab 1508. Der Bogen reicht vom Bündnis mit Frankreich über die Trienter Kaiserproklamation bis zur Liga von Cambrai und mündet schließlich in den Kampf um Italien, begleitet vom päpstlichen und französischen Parteiwechsel, Vertreibung der Franzosen aus Italien, Auflösung der Heiligen Liga, Rückeroberung Mailands durch Franz I. bis zur Friedensvermittlung König Karls. In der Zwischenzeit spielt die Ostpolitik eine erhebliche Rolle, der Wiener Kon­greß von 1515, auf dem die habsburgisch-ungarische Doppelheirat zustan­dekam, also der Grundstock für die Donaumonarchie gelegt wurde (Erb­folge in Böhmen und Ungarn). Stets im Hintergrund, propagandistisch ausgeschlachtet, aber ernst zu nehmen, die Türkendrohung. In einem aus­führlichen Kapitel vergleicht der Vf. die innere Lage des Reiches und der habsburgischen Länder. Das Reich ist nach dieser Darstellung sehr be­müht, sich aus den europäischen Affären herauszuhalten, indem es dem Kaiser Geld und Truppen verweigert, dagegen leisten die österreichischen Länder die drückende, fast erdrückende Hauptlast der Kriege. Fragen der Landesorganisation (Landtage), der Steuer- und Heeresverfassung wer­den aktuell. Daneben ist ein weiterer roter Faden erkennbar, der im zweiten und dritten Band eine Rolle gespielt hat und nun in den letz­ten Lebensjahren Maximilians Jahr für Jahr deutlicher wird: die Erb­folge des Enkels Karl. Gegen den Widerstand des Aragonesen Ferdinand gelingt es Maximilian, Karls Regierungsantritt in den Niederlanden und seine Erbfolge in Spanien zu sichern. Der letzte Aufschwung, um Karls Stellung im Kaisertum zu krönen, mißlingt auf dem Augsburger Reichs­tag 1518, aber diese kräftige Vorarbeit Maximilians trägt wesentlich da­zu bei, daß nach seinem Tod 1519 die Kaiserwahl Karls gelingt. Der Lebenslauf des durch Krankheit geplagten, durch die Anzahl der Jahre und die Unzahl der Geschäfte bis zur letzten Stunde belasteten Kaisers endet sehr persönlich: ohne politisches Testament, in einem ruhi­gen, christlich gelenkten Sterben. Erschöpft wie Maximilian selbst sind freilich auch seine Länder: mit einem Schuldenberg von 6 Millionen Gul­den, mit rebellierenden Landständen und Bauern. Der Rezensent anerkennt uneingeschränkt das Verdienst des Vf’s, diese bewegte Zeit in überschaubarer Form aufgearbeitet vorzulegen, er nimmt sich aber — im klaren Bewußtsein, selbst ein solches Werk unter dem Einsatz lebenslanger Energie nicht schreiben zu können — heraus, aus seiner Sicht einige Überlegungen anzustellen: Sie betreffen die wissen­schaftliche Orientierung des Vf’s, die Italienfrage und damit verbunden das Problem des Reiches. Die Darstellung des Vf’s in diesem Band (wie in den Bänden 1—3) ist positivistisch zu nennen. Die sehr stark ausgeprägte Orientierung an den Fakten, an dem, was als Geschehen festgemacht werden kann, ist zweifel­los beabsichtigt (S. XXVI und XXIII), entspricht auch der Geschichts­auffassung des Autors, die sich wohl etwas an Ranke anlehnt: „das

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