Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
SCHÖDL, Günter: Zur Forschungsdiskussion über alldeutsch-deutschnationale Politik in der Habsburgermonarchie und im Deutschen Reich
Rezensionen 449 Aus der Diözese Säben-Brixen haben sich nur ganz wenige karolingische Handschriften erhalten (S. 180—183). Ein Skriptorium ließ sich hier nicht eruieren. Umfangreiche Nachträge zu dem vor 40 Jahren erschienenen 1. Band (S. 193—255) sowie als Ergänzung zum Kapitel Regensburg ein Überblick über die karolingischen Handschriften und Fragmente, die sich als mittelalterlicher Besitz böhmischer Bibliotheken erweisen lassen (S. 255— 263, darunter das Prager Sakramentar, dessen Schriftheimat in Oberitalien zu suchen ist) bringen nun auch den 1. Band in höchst willkommener Weise auf den letzten Stand der Forschung. Eine konzise Zusammenfassung der Ergebnisse beider Bände und zugleich eine Einbettung in die größeren Zusammenhänge bieten die „Schlußfolgerungen“ (S. 263—272), in denen die vielfältige Entwicklung des südostdeutschen Schriftwesens in knappen Zügen nachgezeichnet wird. Zuletzt wird die schwierige Frage erörtert, wieweit die in den jeweiligen paläographischen Katalogen der einzelnen Schreibschulen versammelten Handschriften und Fragmente den alten Umfang der karolingischen Bibliotheksbestände widerspiegeln. Von den großen Bibliotheken schneidet dabei Freising mit verhältnismäßig geringen Verlusten, vor allem auf den Gebieten der Liturgie und der Schultexte, am besten ab, für Salzburg rechnet B. mit 50% Verlust des ursprünglichen Bestandes, für Regensburg mit mehr als der Hälfte. Von den in einem Bibliotheksverzeichnis von 903 genannten 56 Bänden des Passauer Chorbischofs Madalwin hingegen „ist mit Sicherheit kein Blatt übriggeblieben“ (S. 269). Ein großartiges Werk der Paläographie, der Skriptorienforschung, der Bi- bliotheks- und der Kulturgeschichte liegt nunmehr abgeschlossen vor. Es wird durch ein sorgfältiges Verzeichnis der Handschriften, ein Verzeichnis der Schreiber, ein geographisches Register der Schriftprovinzen und Schreibschulen und durch ein Sachregister erschlossen. Einzig das Fehlen eines allgemeinen Namenregisters ist angesichts der Fülle des Materials, das die Handschriftenbeschreibungen bieten, zu bedauern. So manches in anderem Zusammenhang wichtige Detail mag dadurch verborgen bleiben, wie etwa, um ein Beispiel anzuführen, S. 217 (Nachträge zum 1. Band) der Hinweis auf eine heute auf London und Paris aufgeteilte Handschrift mit Marginalien von Celtis, die als Legat des Humanisten an Johannes Fuchsmagen und von diesem an die Wiener Artistenfakultät gelangte. Einen vorzüglichen Querschnitt der Arbeiten B’s aus den letzten eineinhalb Jahrzehnten vermittelt der 3. Band seiner Ausgewählten Aufsätze. Zeitlich fällt aus diesem Rahmen nur die ursprünglich 1954 (MIÖG 62 und separat) erschienene Übersicht über die nichtdiplomatischen Geheimschriften des Mittelalters, die hier in erheblich erweiterter Fassung vorgelegt wird. Arbeiten über karolingische Handschriften und Bibliotheken sowie paläographisch-kodikologische Studien, die sich namentlich mit Problemen der Kultur- und Überlieferungsgeschichte auseinandersetzen, Mitteilungen, Band 36 29