Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 36. (1983)
NOFLATSCHER, Heinrich – SPRINGER, Elisabeth: Studien und Quellen zu den Beziehungen zwischen Rudolf II. und den bosnischen Christen
Studien und Quellen 33 in ihrem Eifer, für hochgestellte Personen alle nur denkbaren „Geschäfte“ zu besorgen. I In der Anfangsphase wurden die Reichs- und Hoffinanzen nur wenig durch das „Unternehmen Clissa“ belastet. Bertucci erhielt von hier sein Dienstgeld von 60 fl. monatlich ab April 1596, die Kosten des Kriegszuges jedoch streckte der Kriegskommissär Dr. Barthlmä Pezzen dem Kaiser vor6). Später jedoch wurden massive Forderungen bei der Hofkammer angemeldet, welche diese noch jahrelang unter dem Stichwort „Clissa“ in den Indices führte. Der erste Dalmatiner7), der in Prag vorsprach, wurde dort noch mit unbefangener Freude empfangen: Hieronimo Cipci — in der Hofkammer meist mit der Namensform Cypri, manchmal auch als Zipsit geführt — überbrachte im Mai 1596 die Nachricht von der glücklichen Eroberung Clissas durch die Verbündeten. Kaiser Rudolf ließ ihm eine goldene Kette im Wert von 300 fl. und 30 fl. in bar als Zehrungskosten anweisen 8 *). Bald kamen weitere Boten, die nun aber stets die dringende Bitte um Nachschub und Unterstützung vorzutragen hatten: so Matteo Gralini aus Bosnien, der uns noch eingehend beschäftigen wird, und Fra Dominico Andreassi aus Ragusa. Auch Gralini erhielt eine goldene Kette um 300 fl. sowie 200 Taler, sein Begleiter Paolo di Cremona 100 Taler, Andreassi 150 fl.B). Im August 1596 ist wieder von etlichen in Prag anwesenden Dalmatinern die Rede, denen der Hofzahlmeister im Beisein Pezzens insgesamt 520 fl. auszahlen sollte 10). Nachdem die Festung von den Türken zurückerobert worden war, kamen zahlreiche „Abgesandte von Clissa“, die sich weder den Türken unterwerfen, noch mit den Venezianern Zusammenarbeiten wollten, an den Kaiserhof. Die Sprecher dieser Gruppe waren Niccolö Alberti, der Bruder des gefallenen Anführers Giovanni Alberti, und Paulo Sirotkovich. Sie hatten als Angehörige des Patriziates von Spalato nun ihre materiellen Grundlagen verloren und wollte irgendwo standesgemäß unterkom«) Vgl. Springer Bertucci 97. 7) Eine Abgrenzung zwischen Albanern, Bosniern und Dalmatinern ist für diese Zeit nicht möglich, da die Leute sich selbst abwechselnd so oder so bezeichnen. 8) Hofkammerarchiv Wien (= HKA) Gedenkbuch 157 fol. 485 r; Hoffinanz Bd. 500 fol. 146 r. — Zu Cipci vgl. auch Springer Bertucci 100; Jovan N. T o- m i c Gradja za istoriju pokreta na Baikanu protiv Turaka krajem XVI i pocet- kom XVII veka (Beograd 1933) passim; Rudolf II. an Ehg. Ferdinand, 1596 Mai 13, abgedruckt bei Radoslav Lopásié Spomenici Hrvatske Krajine 1 (Monumenta spectantia historiam Slavorum meridionalium 15, Zagrabiae 1884) n. 144. «) HKA Gedenkbuch 157 fol. 485 r; Hoffinanz Bd. 500 fol. 146 r. — Zu Andreassi vgl. Bartl Westbalkan 142—146. io) HKA Gedenkbuch 157 fol. 485 r; Hoffinanz Bd. 500 fol. 146 r. Mitteilungen, Band 36 3